Der Weltenbaum: Das Kreuz von Palenque


Kreuz von PalenqueDer Weltenbaum ist ein kulturübergreifender Mythos. Der Baum bildet als eine axis mundi – eine Weltenachse – eine Verbindung zwischen der sogenannten Oberen, der Mittleren und der Unteren Welt. Obgleich diese Welten natürlich in verschiedenen Kulturen unterschiedlich benannt werden, ist die weltweite symbolische Übereinstimmung dennoch unbestritten.

(Siehe dazu auch andere Bolgbeiträge 1  2  3  4 )

Als Beispiel soll uns das sogenannte „Kreuz von Palenque" dienen. Das Relief stammt aus der Mayastadt nahe der heutigen Stadt Palenque in Mexiko. In einem Heiligtum auf der Spitze einer Pyramide (dem symbolischen Weltenberg), das vermutlich Mitte des 7. Jahrhunderts nach Christus errichtet wurde – also lange vor dem Eintreffen des Christentums durch die Conquistadoren –, befindet sich die abgebildete Darstellung.

Das kosmische Kreuz mit verlängerter Vertikalachse tritt uns hier als eine Variation des Weltenbaums entgegen. Die eintreffenden Christen waren fassungslos, dass die „Wilden" offenbar das „Zeichen des Herrn" kannten. Das Kreuz ist in der Tat seit der Altsteinzeit als Symbol belegbar. Hier wird das kosmische Kreuz nun zur Weltenachse, zum Weltenbaum.

Das Kreuz fußt auf einem geöffneten Rachen, dem Zugang zur Unterwelt. Ähnliche Darstellungen gibt es bis ins Christentum hinein. Was im Christentum allerdings als „Höllenschlund" bezeichnet wurde, beruht auf der Idee der Weltenschlange, die die Basis des weltlichen Schöpfungsaktes darstellt. Sie nimmt die Verstorbenen wieder in sich auf, indem sie diese verschlingt. Die Untere Welt ist so auch das Reich der Ahnen.

Höllenschlund und eherne Schlange

Noch einmal tritt uns die Schlange entgegen: Sie umwindet als doppelköpfige Schlange den Weltenbaum. Vermutlich ist sie ein Symbol des mesoamerikanischen Gottes Quetzalcoatl, der bei den Tolteken, Azteken und Maya verehrt wurde. Er wird – wie übrigens die „Schlange" Luzifer im Christentum – mit der Venus, der Licht- und Bewusstseinsbrinerin gleichgesetzt. Die das Kreuz umwindende Schlange lässt sich in der jüdisch-christlichen Mythologie wiederum als die das Tau-Kreuz umwindende eherne Schlange wiederfinden, die Moses errichten ließ. Astronomisch setzt die doppelköpfige Schlange Beziehungen zur Milchstraße, denn die Milchstraße wird von der Ekliptik ebenso gekreuzt wie der Wacah Chan (der Weltenbaum der Mayas) von der doppelköpfigen Schlange.
In der germanischen Mythologie wird die Mittlere Welt (Midgard) umwunden von der Midgardschlange. Die Mittlere Welt ist u.a. die Wirklichkeit der weltlichen Existenz.

Schließlich sitzt auf der Spitze des Wacah Chan, des Weltenbaumes, der Himmels- oder Seelenvogel. Auch hier gibt es viele Vergleiche u.a. auch aus der europäischen Kultur. Bei den Germanen wird der Vogel durch den Adler vertreten, der in der Krone des Weltenbaumes Yggdrasil sitzt. Als Seelenvogel bezeichnet er symbolisch u.a. die Astralwelt, die Sternenwelt (Astra = Sterne). So flog das Ba des verstorbenen ägyptischen Pharaos als Vogel zu den Sternen. Die Obere Welt ist die Wirklichkeit der Götter und Sternenwesen.

In wunderbarer Gleichartigkeit finden wir die zentralen weltweiten Symbole schamanischer Arbeit, die Urarchetypen des menschlichen Bewusstseins sind, im „Kreuz von Palenque" dargestellt. Die drei Welten Untere Welt, Mittlere Welt und Obere Welt gehören zum archetypischen Fundus des menschlichen Bewusstsein. Entlang des Weltbaumes reisten unzählige Menschen in verschiedene Bereiche der Wirklichkeit. Die Technik der Weltenbaumreise gehört damit zu den Urprinzipien des Menschseins. Das Verständnis des Weltenbaumes ist so fundamental, das ohne dieses kaum die Grundlagen geomantischer oder schamanischer Praxis zu verstehen sind.

 

 

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Bild Kreuz von Palenque © Stefan Brönnle [Vorlage benoitb/istock, Bearbeitung: Leif Brönnle]
Bilder Höllenschlund und eherne Schlange: Gemeinfrei

 


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