Erde und Mensch: Das Märchen Die drei Spinnerinnen


Alte Darstellung der drei SpinnerinnenMärchen sind Mythen mit einer tiefen Symbolik. Sie greifen zurück auf kulturelle seelische Erfahrungsschätze. Viele dieser Seelenerfahrungen reichen dabei weit in die grundlegende Beziehung von Erde und Mensch hinein. In dieser Reihe wollen wir dem geomantischen Gehalt einiger Märchen nachspüren.

Wer das Märchen nicht kennt und noch einmal lesen möchte, findet es hier:
Die drei Spinnerinnen

Das Märchen Die drei Spinnerinnen zeigt starke Konnotationen u.a. zu Rumpelstilzchen.  Hier wie dort wird ein Mädchen in eine Kammer gebracht und soll dort Spinnen, was sie aber nicht vermag. In beiden Fällen ist es der Vater oder die Mutter, die die Behauptung aufstellte, das Mädchen wäre zu außergewöhnlichem Spinnen fähig.

Während aber in Rumpelstilzchen ein Naturgeist die Aufgabe übernimmt, der hilfreiche Geist zu sein, begegnen uns in den Drei Spinnerinnen die drei Schicksalsschwestern leibhaftig: Nachdem das Mädchen drei Tage nur geweint hatte, weil es den riesigen Berg Flachs nicht zu spinnen vermochte (und es vermutlich auch nie gelernt hatte), kommen drei Frauen zu ihr: "Da sah es drei Weiber herkommen, davon hatte die erste einen breiten Plattfuß, die zweite hatte eine so große Unterlippe, daß sie über das Kinn herunterhing, und die dritte hatte einen breiten Daumen. " Auch die Perchten oder Frau Holle  erscheinen wild und hässlich. Es ist die Andersartigkeit und Wildheit der präkulturellen Phase der Menschheit. Die drei Gestalten mit der dicken Lippe, dem großen Fuß und dem riesigen Daumen sind niemand anderes als z.B. die drei Nornen aus der germanischen Mythologie (bzw. die drei Parzen der römischen oder die drei Moiren der griechischen Mythologie). Die drei Nornen - aus dem altnordischen nornir = „Raunende" - sind nicht einfach Hexen, sie sind die Weberinnen des Schicksals selbst. Die Nornen heißen Urd (Schicksal), sie vertritt auch die Vergangenheit, Verdandi (das Werdende) – die Gegenwart – und Skuld (Schuld, das was sein soll) und damit die Zukunft. Und wie im Märchen bedienen sie gemeinsam das (Schicksals-)Spinnrad: Die eine spinnt den Faden, die zweite teilt ihn (also das Schicksal) zu und die dritte schneidet ihn ab (Tod). So ist es auch in diesem Märchen: "Die eine zog den Faden und trat das Rad, die andere netzte den Faden, die dritte drehte ihn und schlug mit dem Finger auf den Tisch, und sooft sie schlug, fiel eine Zahl Garn zur Erde, und das war aufs feinste gesponnen." Alle drei sind eine Einheit.

Mit den drei Körperteilen Fuß, Lippe (Kopf) und Daumen (Hand) verweisen sie nicht nur auf das Oben und Unten und damit gleichsam auf die drei Welten untere, mittlere und obere Welt des schamanischen Weltenbaums, an dessen Wurzel sie (die Nornen) leben, sie vertreten auch die Bewegung (Fuß) und damit die (spirituelle) Entwicklung, das wahre Sprechen (Lippe) und die rechte Tat/Handlung (Hand/Daumen). Es sind die drei Grundpfeiler des spirituellen Reifeprozesses.

Als Lohn verlangen die drei - wie eigentlich auch Rumpelstilzchen - nur eines: Respekt! "Willst du uns zur Hochzeit einladen, dich unser nicht schämen und uns deine Basen heißen, auch an deinen Tisch setzen, so wollen wir dir den Flachs wegspinnen, und das in kurzer Zeit." Das ist kein unmöglicher Lohn. Das Mädchen soll sich zu den Spinnerinnen und damit zum alten Wissen bekennen, mehr verlangen die drei Frauen nicht. "Vergiß nicht, was du uns versprochen hast, es wird dein Glück sein." Mit diesem Ausblick offenbaren sich die drei als die Weberinnen des Schicksals. Sie bestimmen, wer im Leben Erfolg hat und wer nicht. In dieser Art sind ihnen selbst die Götter untergeordnet. Und in der Tat spinnen die drei den Flachs der Kammer weg wie nichts.

Im Gegensatz zum Märchen Rumpelstilzchen hält das Mädchen, was es versprochen hatte. Nachdem ihm der älteste Königssohn zum Manne gegeben wurde, lud es die drei Frauen als Basen, also Verwandte, ein. Natürlich fallen dem Gemahl die drei Aspekte auf. Noch einmal wird im Märchen betont, dass die drei Körperteile nicht irgendwie zufällig sind. >"Wovon habt Ihr einen solchen breiten Fuß?" "Vom Treten," antwortete sie, "vom Treten." Da ging der Bräutigam zur zweiten und sprach: "Wovon habt Ihr nur die herunterhängende Lippe?" "Vom Lecken," antwortete sie, "vom Lecken." Da fragte er die dritte: "Wovon habt Ihr den breiten Daumen?" "Vom Fadendrehen," antwortete sie, "vom Fadendrehen." < Weil der Bräutigam Angst bekommt, seine schöne Braut könnte selbst einmal so aussehen, braucht diese nie mehr Flachs zu spinnen. Ihr Schicksal erfüllt sich, weil sie die drei Spinnerinnen als ihresgleichen angenommen und nach außen vertreten hatte.

So verweist das Märchen Die drei Spinnerinnen auf den uralten Mythos der drei Schicksalsschwestern, die eng mit unterer, mittlerer und oberer Welt verbunden sind.

 

Weil Du unseren Podcast angehört, unsere Video angesehen, oder unseren Blogbeitrag gelesen hast:
Wir bieten in diesem Blog kostenfrei pro Monat 10 bis 20 Beiträge zu den Themen Geomantie, Schamanismus, Radiästhesie, Wahrnehmung u.v.m.
Vielleicht hast Du Lust, unsere Arbeit zu unterstützen, uns einen Kaffee zu spendieren, oder einfach „Danke" zu sagen. Über diesen Paypal-Link kannst Du uns einfach einen Betrag gewünschter Höhe zukommen lassen.

 

Paypal Spende-Button


Kommentare (0)


Kommentieren

Dieser Thread wurde geschlossen.