Die Rückkehr zur Urkraft


Buddistischer Mönch ißt gemeinsam mit einem TigerWilhelm Reich – ein Schüler von Sigmund Freud – vertrat die Auffassung, dass Kinder noch völlig frei vom Orgon, der sexuellen und vitalen Lebensenergie, durchströmt werden. Kinder handeln impulsiv und spontan, sie folgen ihrem freien Lebenswillen. Emotionen werden unmittelbar von ihnen ausgedrückt und Bedürfnisse gelebt. Wann sieht man dies einmal bei Erwachsenen? Und wenn, wie reagiert die soziale Gemeinschaft darauf? Wie reagieren Erwachsene, wenn sie einen anderen Erwachsenen sehen, der scheinbar „grundlos“ durch die Straßen tanzt, oder in der Straßenbahn singt, weint, brüllt…..? Meist ernten solche Menschen zu mindest pikierte Blicke. Distanz und Ablehnung tritt ihnen entgegen, weil sie ihren E-Motionen (= das, was ausgedrückt, was hinausbewegt werden will) freien Raum geben. Wilhelm Reich nannte dies Verpanzerung.

Die Erziehung ist meist verbunden mit Regeln und Verboten. Diese schränken den freien Lebensfluss des Orgons im Kind ein. Körperlich führt dieser „Stau“ nach uns nach zu Muskelverhärtungen, einem „Körperpanzer“. In Reich`schen Therapiesystemen wie dem Rolfing, werden diese Muskelpanzer körperlich gelockert, wodurch spontan Gefühle frei werden: Lachen, Weinen, Seufzen….
Kulturell führt nach Reich die Verpanzerung dazu, dass freie Ausdrucksformen der Lebenskraft als Angriff empfunden werden. Der hereinwehende Löwenzahl vom Nachbarn muss unterbunden werden, das Gras und Moos aus jeder Ritze der Gehwegplatten entfernt werden. Weil man selbst verpanzert ist, unterbindet man freie Lebensenergie im Außen. Wilhelm Reich nannte dies eine Seuche, die „Emotionale Pest“.

Diese von Reich benannte freie Bewegung der Lebenskraft nenne ich URKRAFT. Die Urkraft meint die volle Präsenz der sexuellen Kraft. Sie meint aber auch die volle Präsenz der Emotionalität, weshalb es eben keine Pornografie ist. Urkraft ist Lebenskraft, das Leben in seinem Urzustand, Urkraft ist das Eintauchen in die Materie bei zeitgleicher Präsenz der kosmisch-geistigen Kraft. Urkraft ist das freie Leben. Wer von uns kann schon von sich behaupten, sich dieser Urkraft vollständig hingeben zu können?

In unserer Kultur liegen Materie und Geist im Widerstreit, im Kampf. Es existiert eine Trennung von Körper und Geist, wobei durch die starke christliche Prägung unserer Kultur dem Geistigen eine höhere Wertigkeit gegeben wird. Stets wird einer der beiden Pole unterdrückt. Es herrscht ein Ungleichgewicht zwischen Körper und Geist. So formuliert Goethe im Faust: „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust. Die eine will sich von der anderen trennen; Die eine hält in derber Liebeslust, sich an die Welt mit klammernden Organen; Die andere hebt gewaltsam sich vom Dust [Staub] zu den Gefilden hoher Ahnen.“ Der Zwiespalt der Pole scheint die Seele zu zerreißen. Das Zölibat ist ein solches Beispiel. Die durch die sexuelle Enthaltsamkeit sich aufstauende Energie kann durch spezielle Übungen wie im Tantra oder Qi Gong für die spirituelle Entwicklung genutzt werden. Doch dies scheint im Christentum vergessen. Das Zölibat führt hier nurmehr zum Stau der sexuellen Urkraft. Der katholische Prister kann aber die dadurch geweckten Dämonen nicht bezwingen. Dies führt zu unhaltbaren Zuständen, zu Missbrauch an Schutzbefohlenen und heuchlerischer Doppelmoral. Der Kampf findet statt zwischen Körper und Geist, zwischen Trieben und hohen Idealen. Es ist der Kampf des Engels Michael mit dem Drachen. Doch der Drache wird erst durch seine Bekämpfung und Vertreibung böse. Aus dem inneren Ungleichgewicht entsteht ein Zerwürfnis im Herzen. Dieser Spalt, dieser Riss, ist in der Tat durch negative Kräfte nutzbar. Das Böse entsteht durch die Entzweiung von geistiger und materieller Urkraft, durch ein Zerreissen der Seele.

Wahrlich, ich sage euch, es sei denn, daß ihr euch umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen,“ sagt Jesus in Matth. 18:3. Das Himmelreich, das Paradies, ist jener Seelenzustand, indem Geist und Körper eins sind. Der Satz ist daher nicht etwa eine äußere Bedingung, um einen paradiesischen Raum betreten zu können, das kindhafte Sein IST der paradiesische Zustand! Urkraft der Materie und Urkraft des Geistes vereint sind das Paradies.

Wie können wir daher heute dafür Sorge tragen, das diese Kräfte wieder vereint werden?

  • Zunächst müssen wir überhaupt aufmerksam werden, wie stark wir die Urkraft in uns und in der Natur unterdrücken.

  • Körper- und psychotherapeutische Methoden (wie das erwähnte Rolfing) können uns darin unterstützen und uns helfen, die Urkraft in unseren Alltag zu integrieren.

  • Aber auch auf der ganz geomantischen Ebene gibt es Urkraftphänomene. Dazu gehört der der Vitalkraft nahestehende Drachenweg, die sogenannten Urkraftquellen, oder auch die eher geistigen Drachenlinien. Auch in der Geomantie geht es darum, diese Urkraftphänomene der Erde zu achten und zu schützen. Sie ins kollektive Bewusstsein zurückzuholen.

  • Wir können diese Plätze gestalten und wenn nötig heilen. Dies wird zu einer kulturellen Stärkung der Urkraft führen.

  • Individuell sollten wir uns der Urkraft gezielt aussetzen und ihr begegnen: Durch z.B. Trancetänze, durch exessives Lachen, durch das Zulassen unserer Emotionen. Aber auch durch das bewusste Betreten von Orten, die von der Urkraft durchdrungen und getragen sind. Ekstasen können helfen, die Urkraft in uns und kulturell zu befreien.

  • Wir sollten uns darum bemühen, beide Pole in unserem Leben präsent zu halten: Wenn wir stark am körperlichen Pol sind – wie im Sexualakt – sollten wir uns des Geistigen bewusst bleiben, wenn wir stark am geistigen Pol sind – z.B. in der Meditation – sollten wir dennoch unseren Körper spüren. So übt man mehr und mehr beide Pole zeitgleich zu leben und in den Alltag zu integrieren.

  • Orte sollten aber auch aus dieser Haltung heraus gestaltet werden. Die positive Präsenz der Urkraft sollte in die Architektur, in die Landschaftsplaung und Stadtgestaltung zurückfinden. Alle Planungen des Menschen sind systemisch gestellte Objekte. Jeder Baum, der mit dem Impuls der Urkraft gepfanzt wird, jedes Haus, das im Kontakt mit der Urkraft geplant wird, wird so zu einer Quelle eben dieser Kraft in unserer Gesellschaft.

  • Nicht zuletzt sollten wir die Urkraft bewusst in unsere Rituale einbeziehen und dafür Orte wählen, an denen die Urkraft präsent ist.

 

So wird die als dunkel empfundene Materie durchlichtet werden und Körper und Geist werden wieder zu einer Einheit, einem paradiseischen Einheitszustand, indem die Lebenskraft frei fließen kann wie in einem Kind.

 

 

Bild: Freshfotos


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