Magische Berufe – Der Baumeister


Stich Baummeister in historischem GewölbeBerufe sind nicht einfach Jobs. Sie enthalten den „Ruf“ - im Mittelalter „vocatio“ genannt“ - die Evokation. Das Berufensein ist ein magischer Akt, ein Ruf der Götter und so sind viele unserer alten Berufe mit der Magie verbunden….

 

 

Der Baumeister

 

 

Der Architekt, der Baumeister, ist als „Weltenbauer“ tief in den Mythen verankert. Der Baumeister baut die Welt. Im jüdischen Talmud, Traktat Sabbat (114 a) heisst es auf die Frage: „Wer sind die (in der Mischna) erwähnten Baumeister? Geantwortet wird: Es sind die Gelehrten (bonajich), weil sie sich mit dem Aufbau der Welt beschäftigen.“ Baumeister, Gelehrter und Magier sind eins. In den Mythen aller Kulturen ist darum der Baumeister vertreten: In Ägypten war es der Heiler, Magier und Baumeister Imhotep (= der in Frieden kommt). Historisch lebte er wohl ca. 2700 v.Chr. und war der Architekt u.a. der Djoser- und Sechemchet-Pramide. Seine Macht und sein Einfluss waren so groß, dass er den Titel Maa-wer erhielt – der den Großen schaut - und zum Hohenpriester des Gottes Ptah in Memphis und des Gottes Re in Heliopolis gemacht wurde. Ptah selbst galt als Baumeister, der durch seine Zunge und sein Herz (also Willen und Sprache) der Sonnengott Atum erschaffen haben soll. Die Schöpferkraft durch das Wort ist eine Eigenschaft, die später auf den jüdischen Gott Jahwe überging. Der Hohepriester Ptahs – Imhotep – besaß wie es heisst Hike, die magische Kraft, die im Ka und dem Ba – also der Seele – verborgen ist. In Ägypten waren die Landvermesser und Baumeister in der Regel Priester der Seschat und der Ma`at. Die magische Kraft des Hike war auch ihnen zu eigen.
In China war es der legendäre Reichsgründer und Kulturbringer Fu Xi, d
er Raum und Zeit ordnete und teile. Mit dem Erdenken der philosophischen Grundprinzipien des Yin und Yang, der vier Ursymbole (si xiang) und dem Prinzip der acht Trigramme, brachte Fu Xi die Grundprinzipien der Magie in die Welt. Dargestellt wird er oft als Drachensohn mit Schlangen-/Drachenschwanz, in seiner Hand hält er Kompass, Zirkel und Winkelmaß als Symbole der Geomantie und der Baukunst. Wir erkennen hier die geomantische Raumanalyse und -teilung als magischen Akt des Kultur- und Weltenbaus und Grundlage der Architektur.

In der germanischen Mythologie wurden die Mauern Asgards von einem Reifriesen mit seinem Pferd Svadilfari erbaut, ehe er durch eine List Lokis um seinen Lohn betrogen wurde. „In“ erbaute dagegen die Halle der Freya-Meglöd. Sein Name bedeutet ebenso „Baumeister“ wie „Magier“. Ganz ähnlich galten in der griechischen Antike die Zyklopen als die mächtigsten Baumeister. Die heute sogenannten „Zyklopenmauern“ - beinahe fugenlose Großsteinquadermauern - wurden nach ihnen benannt. Aber auch der bekannte Dädalos war ein brillanter Baumeister. Seine Baukunst soll er von der Göttin Minerva persönlich erhalten haben. Dädalos (Daidalos) gilt als Erfinder der Richtwaage, des Stichbohrers und der Axt und soll das berühmte kretische Labyrinth gebaut haben, in dem der Minotaurus gefangen war. Schließlich ist in den griechischen Mythen auch der Baumeister Trophonios bekannt. Apoll selbst soll sein Vater gewesen sein. Die Baukunst stammt unmittelbar von den Göttern.

Vishwakarma („Der, der alles erreicht“) ist in der hinduistischen Mythologie der kosmische Baumeister. Er zeigt die Magie der allgöttlichen Macht. Im Epos Ramayana erbaut er u.a. die Stadt Lanka. Auch ist Vishwakarma der Baumeister der göttlichen Paläste. Architekten in Indien wenden sich mit Bittgesuchen unmittelbar an Vishwakarma.

In der Mythologie der Inkas schickt der Sonnengott seine Zwillingskinder Manco Cápac und Mama Ocllo mit einem aus einem Sonnenstrahl gewirkten goldenen Stab auf die Erde. Dort, wo sie den Stab in die Erde trieben, war das Zentrum der Welt. Hier wurde von ihnen die Stadt Cusco (=“Nabel der Welt“) erbaut. Der urgeomantische Akt der Mittengründung ist hier identisch mit der Baukunst. Was die Inka für großartige Baumeister waren, zeigte sich schon bei einem schweren Erdbeben 1650: Fast alle spanischen Kolonialbauten wurden schwer beschädigt oder fielen zusammen, die mächtigen „Zyklopenmauern“ der Inkas bleiben unerschütterlich.

Christus als Baumeister der WeltSo wird der Baumeister selbst zu einem Synonym Gottes: In Epistel an die Hebraer, XI, 10 heisst es: „Denn er wartete auf eine Stadt, die einen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist." Bei Plato ist Gott der Demiurg, der Weltbildner und so nannten die Gnostiker den Schöpfer der materiellen Welt Demiurg. Gott und Weltenbaumeister sind eins. Diese Symbolik ist Grundlage der Freimaurerei. Der Schöpfer ist der „Große Baumeister aller Welten“ und als Freimaurer stellt man sich in diese Verantwortung. Aus der physischen Architektur wird der Bau des transzendenten Palastes. Wie Vishwakarma erschafft die Freimaurerei ein spirituelles Bauwerk. In der Verfassung der Großloge von Deutschland heisst es: „Die Interpretation des „Großen Baumeisters“ aller Welten als regulatives Prinzip ist daher von essenzieller Bedeutung für das freimaurerische Transzendenz-Verständnis.Wie bei Fu Xi wird der Rechte Winkel zu einem Symbol, das weit über den physischen Aspekt des Kathedralenbaus hinausreicht. Es ist in der Freimaurerei ein Symbol der Aufrichtigkeit und Geradlinigkeit und als solches ein Signum des Logenmeisters.

Da die Bautätigkeit stets auch als eine Baukunst des Seelischen verstanden wurde, sind auch unsere Baurituale Formen der Magie, die das Haus symbolisch mit der Seelenraum der Erde und dem Geistraum des Kosmos verbinden. Die Grundsteinlegung verbindet das Haus mit dem Seelenraum des Ortes, an dem es steht und damit mit der Erde, das Richtfest verankert das Gebäude mit dem geistigen Raum, dem Kosmos. Beides fundamental magische Akte. (Mehr dazu)

Auch die Sagen und Legenden verbinden die Baukunst mit der magischen Kraft. Wenn der Heilige Wolfgang den Teufel eine Kirche erbauen lässt oder in der münchner Sage die Frauenkirche vom Teufel erbaut wurde, dann zeigt dies, dass heidnisch-magisches Wissen in diese Bauten mit einfloss. Baumeister sind mit der magischen Kraft begabt, die in der Kirche nicht gerne gesehen war. Schon in den maltesischen Tempeln, die vor rund 6000 Jahren erbaut wurden, verband sich im Baumeister das Wissen um Mathematik, Statik, Kunst, Astronomie und magischer Symbolik.

Der Baumeister ist der Schöpfer der Welt, der Magier der Materie und des Geistigen.

 

Geomantieausbildung Raum & Mensch

 

Bild Baumeister © Stefan Brönnle
Bild: Christus als Baumeister der Welt


Kommentare (0)


Kommentieren

Dieser Thread wurde geschlossen.