Moderne Bewusstseinstechniken: Floating


Foetus im AllSchamanische Kulturen haben eine Vielzahl von Brücken unseres Bewusstseins geschaffen, über die die Umgebung, das eigene Wesen, oder abstrakte Wahrheiten aus einer höheren oder tieferen (je nachdem) Perspektive wahrgenommen werden können. (Ritueller Bewusstseinswechsel). Aber der Mensch wird nicht müde zu forschen und weitere Methoden zu entwickeln, die das Bewusstsein verschieben oder erweitern. Einer dieser „Psychonauten“ ist der 1931 geborene Psychotherapeut und Philosoph Stanislav Grov. Eines seiner Forschungsgebiete, die er nicht aus der Distanz, sondern durch persönliches Erleben vorantrieb, ist die Transpersonale Psychologie. Diese setzt sich mit veränderten Bewusstseinszuständen auseinander und erweitert damit die Ansätze der klassischen Psychologie um philosophische, religiöse und spirituelle Aspekte. So trieb Grov in einem Selbstversuch – ausgestattet mit wärmendem Anzug und Atemmaske – unter LSD-Einfluss in einem Wasserbassin. Die Erfahrungen können wohl als eine der Geburtsstunden des Samadhi-Tanks bezeichnet werden.

Ein Samadhi-Tank ist ein Behälter, in dem man abgeschottet von Geräuschen und Licht – also allen äußeren Reizen – in  35 Grad warmem (was der Temperatur der Außenhaut entspricht) Salzwasser quasi schwebt. Samadhi ist Sanskrit und bedeutet so viel wie „Vereinigung, Vollendung oder Erfüllung“. In den letzten Jahren hat sich aber mehr und mehr der Begriff des „Floating“ (engl. schweben, treiben) durchgesetzt. Die ersten Floating-Anlagen wurden 1954–56 von dem amerikanischen Neurophysiologen John C. Lilly am National Institute of Mental Health (NIMH) entwickelt.

Im therapeutischen Bereich wird Floating im Stressmanagement, bei Burnout-Syndrom und Suchtentwöhnung eingesetzt. Im Wellnessbereich wird Floating auch mit Licht- und Toneffekten angeboten. Angestrebt wird eine physische und mentale Tiefenentspannung. Während es noch vor einigen Jahren verhältnismäßig schwierig war, die Möglichkeit einer Erfahrung im Samadhi-Tank aufzuspüren, ist es durch die abgesoftete Variante in der Verbindung zum Wellness heute deutlich leichter. Mehrere größere Städte besitzen inzwischen ein „Floating-Center“.

Frau treibt im WasserIm Floatingcenter in München zum Beispiel kann man zwischen der Wellnessvariante mit künstlichem Sternenhimmel und sanfter Musik oder der Bewusstseinserfahrungs-Variante im absoluter Dunkelheit und Stille wählen. Das Becken besitzt einen Notruf-Knopf und auch sonst sind Einführung durch das Team, Privatsphärebereich, Schallisolierung und Hygiene im „float-schwabing“ sehr lobenswert. Die Wellnessvariante ist eine wunderbare Entspannungserfahrung, zur „Bewusstseinserfahrungs-Variante“ gleich mehr.

Durch das Ausschalten äußerer Reize und das Treiben im körpertemperierten Wasser kann es zu einigen leichten bis starken Bewusstseinsverschiebungen kommen (daher auch der Notschalter). In einer Studie durch den oben erwähnten John Lilly, an der 158 Personen (22 davon mehrmals) teilnahmen, berichteten 34 von Erfahrung der „Zeitlosigkeit“, 79 von körperbezogenem Empfinden, 46 vom Verschwimmen körperlicher Grenzen, 59 von Tiefenentstannung, 31 von der Illusion einer Bewegung, 61 von einer tiefen Geborgenheitserfahrung, und 9 von einer transpersonaler Erfahrung. Allerdings geschah auch bei einigen wenig: 10 berichteten von Enttäuschung und nicht erfüllten Erwartungen und 9 von Langeweile. Bei 22 kam es aber auch zu aufkeimender Angst (2 brachen deshalb ab).

Meiner eigenen Erfahrung nach, ist das „Floaten“ in Dunkelheit und Stille, auch wenn es bei mir nicht zum „Bewusstseinsflash“ führte, auf jeden Fall eine eindrückliche Erfahrung. Für mich war das „Floaten“ meine zweite Erfahrung. Vor einigen Jahren hatte ich bereits einen Versuch im Samadhi-Tank gewagt. Gestärkt durch viele Tranceerfahrungen aus Atem- Haltungs- und Bewegungstrancen stieg ich vor wenigen Tagen wieder in das Salzwasserbecken. Hier die Kurzzusammenfassung meiner Erfahrung. Da das Gefühl der „Zeitlosigkeit“ in Dunkelheit und Stille auch bei mir rasch eintrat, sind die zeitlichen Einschätzungen nachträglicher und subjektiver Natur. Gesamtdauer 1 Stunde.

  • Kurz nach dem Eintauchen: Durch das stark salzhaltige Wasser brennen kleinere Wunden und Verletzungen (Das Floating-Team empfiehlt sich daher möglichst 24 Stunden vorher nicht zu rasieren). Das Brennen verliert sich aber nach wenigen Minuten
  • Nach wenigen Minuten beruhigt sich der Herzschlag. Ich spüre, wie ich mehr und mehr loslasse.
  • Die Gedanken rattern aber noch. Es ist tatsächlich nichts zu hören… doch je stiller es wird, umso sensibler wird das Gehör. Ist da noch Musik? Habe ich diese nicht ganz abgestellt? Kommt sie aus einem Nebenbecken?
  • Irgendwann (nachträglich gefühlt nach 15-20 Minuten) entsteht Leere. Da will sich kein Gedanke mehr melden. Ich bin einfach. Das Wasser spüre ich nicht. Ist mein Fuß tatsächlich IM Wasser oder schaut er heraus? Ich spüre keinen Unterschied zwischen Wasser Luft und Haut. Bewege ich mich? Liege ich still? Treibe ich?
  • Etwa Halbzeit. Weil mein Kopf leicht nach hinten abgesunken ist, beginnt eine Verspannung der Nackenmuskulatur. Ich mache meine erste bewusste Bewegung und ziehe mein Kinn ganz leicht zur Brust. Der Effekt ist enorm: Die Nackenmuskulatur entspannt sich sofort. Zeitgleich setzt ein Gefühl ein, in die Länge zu wachsen, weiter und weiter. Ich werde seeehhhr lang.
  • Mein Tantien (Energiezentrum im Unterbauch) wird warm. Wärmer. Ich nutze dies und lasse das Qi im „kleinen Energiekreislauf“ zirkulieren: Den Rücken hoch zum Kopf, die Vorderseite hinunter in den Bauch. Die innere Wärme dehnt sich in mir aus. Innen und außen ist nicht mehr unterscheidbar.
  • ¾ der Zeit: In meinem Körper beginnen Mikrobewegungen. Diese müssen echt sein, also nicht eingebildet, denn das Wasser schlägt leichte Wellen. Mein Körper beginnt sich aus sich selbst heraus zu bewegen….
  • Zeitlosigkeit, Ausdehnung, Wärme, Geborgenheit. Ein Gefühl wie im körperlosen Zustand (wenn da nicht ab und zu ein kleiner Wellenschlag wäre, den ich körperlich spüre und der mich zurückholt), wie im All oder Mutterleib.
  • Kurz vor Ende. Interessanterweise kehre ich von selbst zurück. Ich spüre meinen Körper, die Gedanken setzen wieder ein: Wieviel Zeit wohl vergangen ist? Was kann ich noch probieren?
  • Ende: Kurz darauf holt ein sanftes Aufdimmen des Lichtes im Raum Dich zurück. Es ist Zeit.
  • Duschen, Anziehen. Doch da merke ich: So zurück bin ich wohl noch nicht. Ich setze mich noch 15 Minuten in die bequemen Stühle im Wartebereich und trinke ein Glas Wasser. Langsam, ganz langsam, komme ich wieder in der physischen Realität an…

Insgesamt denke ich: Da ist noch mehr drin. Ein einfaches Werkzeug der Bewusstseinsverschiebung, das noch dazu körperlich sehr wohltuend ist. An Geburtstraumata, Angst vor Dunkelheit, etc. solltest Du allerdings nicht leiden. Der Einsatz zusätzlicher psychogener Substanzen ist im float-schwabing übrigens untersagt. Auch wenn das Zentrum mit Wellness wirbt, zeigt das zu Beginn zu unterschreibende einseitige Aufklärungsblatt, dass man sich der Psychoaktivität und der körperlichen Wirksamkeit durchaus bewusst ist.

 

 

 

Bilder © fotolia


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