Cernunnos bedeutet „der Gehörnte“. Es handelt sich dabei um eine mythologische Gestalt aus dem keltischen Glaubenssystem. Keltische Götter traten meist in verschiedenen Gestalten und Namen auf, die sich von Clan zu Clan unterscheiden konnten, so wurde Cernunnos in Wales unter dem lokalen Namen Cernwn verehrt. Historisch lässt sich der Name des Cernunnos nur zweimal belegen, doch bildliche Darstellungen eines menschlichen Wesens mit Hirschkopf oder Hirschgeweih gibt es aus Gallien, Spanien, Norditalien, Britannien, u.v.m. Die bekannteste stammt vom silbernen Kessel von Gundestrop (Dänemark), der vermutlich aus dem 5. Jahrhundert vor Christus stammt (Bild).
Der „Hirschgott“ Cernunnos wird manchmal bärtig, manchmal als Jüngling dargestellt und ist zum Teil mit den Attributen des Füllhorns, einer oder mehrerer Schlangen, bzw. abstrahiert den Wendelringen (Torques) dargestellt. Die älteste Darstellung ist eine Felszeichnung aus der Provinz Brescia mit gehörnter Schlange auf dem Boden und Torques (ca. 12000 Jahre alt).
Bei Cernunnos handelt es sich um eine (proto)keltische Naturgottheit, die vermutlich in heiligen Hainen Verehrung fand. Ähnliche Abbildungen, Götter und mythologische Gestalten können wir im griechischen Pan ebenso wiederentdecken wie der Hindu-Gottheit Rudra (Im Atharvaveda). Er steht damit für die Vegetation, die Tiere, die Fruchtbarkeit (und die mit ihr verbundene Sexualität) und das Naturbewusstsein. Der Tanz um den heiligen Baum (Tanzlinden) war vermutlich einer seiner fortlebenden Rituale. Im mittelenglischen Mythos um die Gestalt Herne („der Gehörnte“) erkennen wir nicht nur die Gestalt des Jägers wieder, sondern auch eine etymologische Verwandtschaft zwischen „Cern“ (= Horn) und „Hern“. Schließlich gibt es unmittelbare Beziehungen von Cernunnos zum „Wilden Mann“ (Hans im Grün, Robin Goodfellow).
Im christlichen Weltbild ist die Beziehung zum Seinsaspekt der Natur, sowie der Naturspiritualität an sich gespalten. Cernunnos wird hier sowohl in seiner bildhaften Form, als auch in seinem Archetyp (Fruchtbarkeit, Wildheit, Sexualität) zur klassischen Teufelsgestalt, die dann u.a. die Darstellung des dämonischen „Baphomet“, den die Templer angeblich verehrt haben sollen, deutlich mitbeeinflusst.
Andererseits findet sich die Naturspiritualität dennoch verschämt im Christentum indirekt in einigen Heiligen wieder: Ägidius, Hubertus, Eustachius, u.a.. Alle sind sie mit dem Hirsch als Attribut verbunden.
Ortsnamenbezüge: Im deutschen Sprachraum taucht die „Cern“-Etymologie nur selten auf, wie z.B. „Schernsdorf“. Häufiger sind verchristliche Ableitungen z.B. über den deutlich mit dem Naturbewusstseinsaspekt verbundenen St.Ägidius und seinen lokalen Namensvarianten Egyd, Gidius, Gilius, Gille, wie z.B. in „St. Gilgen“, die dann häufig auch Sagenbezüge zu Hirschen, bzw. dem Wilden Mann zeigen.
Bild: Kessel von Gundestrop/Wikipedia
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