Unsere Pflanzengeister - Der Wasserdost


WasserdostAndere Namen: Blauwetterkühl, Donnerkraut, Drachenkraut, Fieberkraut, Hirschgünsel, Hirschklee, Hirschwundkraut, Knochenheil, Kunigundenkraut, Leberkraut, Wasserhanf, Wetterkraut, Wechselfieberkraut

Der botanische Gattungsname Eupatorium wird unterschiedlich hergeleitet. Einerseits wird ein Bezug zum in der Antike kräuterheilkundigen griechischen König mit dem Namen Ponthus Mithridates Eupator gesehen, wahrscheinlicher ist jedoch eine Ableitung vom griechischen „hepatorion“ („Leberkraut“), wobei zusätzlich die gr. Silbe „eu“ = „gut“ angehängt wurde. Also: „Kraut, das gut für die Leber ist“. Dies ist umso wahrscheinlicher, weil der Wasserdost in der Antike, aber auch sein amerikanischer Vetter bei den Indianern Nordamerikas bei Leberleiden eingesetzt wurde. Der heimische Wasserdost Eupatorium cannabium verweist im Namen auf den Hanf (Cannabis), weil seine Blätter dem Hanf ähneln, daher auch der Volksname „Wasserhanf“.

Namen wie „Hirschgünsel“, „Hirschklee“, oder „Hirschwundkraut“ zeigen eine enge Verbindung zum Herrn des Waldes, dem Hirsch. So war der Wasserdost im Keltischen Cernunnos und im Germanischen Freyr geweiht, als Verkörperung des gehörnten Jägers und Hüters der Natur, bzw. Fruchtbarkeitsgottes. Der Hirsch galt als ein Tier der Anderswelt, das u.a. die Fähigkeit besaß, Quellen und heilbringende Pflanzen ausfindig machen zu können. So wundert es nicht, dass der Wasserdost bei den Rutengängern als Zeiger einer Wasserader galt.

Andererseits wurde die Pflanze auch Thor/Donar geweiht. Der mächtige Gott wurde oft gegen böse Magie angerufen und war natürlich für das Wetter zuständig. So ist auch der Wasserdost ein typisches „Verschreikraut“, das gegen bösen Zauber eingesetzt wurde. In die Tasche gesteckt, war man selbst vor dem Teufel sicher. So rief der Teufel: „Roter Dost, hätt’ ich das gewost, hätt’ ich das vernommen, wär’ ich nicht gekommen.“
Verräuchert sollte er böse Geister vertreiben. Im Kräuterbüschel gebunden ist er noch heute fester Bestandteil bei der Kräuterweihe Mitte August. Sogar die Manneskraft sollte die Pflanze steigern helfen. Vor allem aber wurde sie bei Erkältungen und Fieber eingesetzt („Fieberkraut“).

Den Namen „Kunigundenkraut“ erhielt die Pflanze im 13. Jahrhundert, da der Tag der Heiligen Kunigunde ein wichtiger Lostag der Bauern war. An diesem Tage wurden auch Wetterzauber praktiziert, um die Ernte zu beeinflussen („Wetterkraut“, „Blauwetterkühl“, „Donnerkraut“): Um Regen zu bewirken, muss ein Mädchen nackt zum Wasserdost gehen und die Pflanze mitsamt der Wurzel mit dem kleinen Finger der rechten Hand ausreißen. Sodann muss sie die Pflanze an die kleine Zehe des rechten Fußes binden und damit zum nächsten Bach gehen. Dort steigt sie in den Bach und lässt die Pflanze fortschwimmen. Während ihres Weges wird sie von den Frauen des Dorfes begleitet, die beten und um Regen bitten. Am Fluss/Bach besprengen die Frauen das Mädchen mit Wasser.

Die Blütenessenz des Wasserdosts wird eingesetzt, wenn der eigene Lebensplan ins Stocken geraten ist. Sie hilft wieder in Fluss zu kommen und gibt Hoffnung auf eine positive Entwicklung.

Der Wasserdost – Geist des Wassers und Wächter des (inneren) Feuers.



Bild © Stefan Brönnle

Kommentare (0)


Kommentieren

Dieser Thread wurde geschlossen.