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Das Sternsinger Bastel-Set

03. Jan. 2021 | Von: Stefan Brönnle | Kategorien: Rituale | 1 Kommentare

Eingetroffenes Doityourself-Set

Gestern flatterte uns Post ins Haus. Der Umschlag enthielt ein Anschreiben, ein Stück Räucherkohle, etwas Weihrauch, einen "Segensaufkleber 20 + C+M+B+21", sowie eine Geldsammeltüte und Überweisungsdaten.

Wer dies nicht kennt: Jedes Jahr machen die Sternsinger ihre Runde um den 6. Januar. Sie segnen das Haus und schreiben obigen Schriftzug an die Haustür. Dabei sammeln sie für eine wohltätige "Sternsingeraktion". Der ursprünglich priesterliche Haussegen wurde von meist Kindern übernommen, das Ritual zum Brauchtum.

"Aufgrund der aktuellen Corona-Lage", so der Begleitbrief, der auch ein Haussegnungsgebet enthält, sei es "nicht möglich wie gewohnt am 6. Januar 2021 mit Sternsingergruppen die Haushalte [...] zu besuchen und den Segen [...] für Menschen und Häuser zu überbringen". Mit Verlaub: aufgrund der aktuell geltenden Verordnung wäre es sehr wohl möglich gewesen, denn die Sternsinger betreten ja nicht die Häuser und mehr als 5 sind es ohnehin nicht. Es ist also eine Entscheidung, die einem Narrativ folgt. Man gibt den "Segen für Mensch und Häuser" zugunsten einer politischen Idee auf. Der Haussegen wird zum Do-it-yourself-Event.

Nun habe ich gar nichts gegen persönlich ausgeführte Haussegen, da wir dies ja selbst so praktizieren und die Idee, Kohle und Weihrauch zu schicken, scheint ein possierlich-kreativer Gedanke zu sein. Was da irgendwie "zwickt", ist die Tatsache, dass Rituale in unserer Kultur mehr und mehr zu funktionalen Events verkommen. Die Sternsinger kommen eben nicht, um das Haus zu segnen, sondern um - wenn auch wohltätig gemeinte - Gelder zu sammeln. Darum kann man auch flux auf das Kommen an sich verzichten und den Segensspruch zu einem Aufkleber reduzieren. Doch ein ritueller Segen lässt sich nicht mit einem Vordruck abwickeln. Ein zum Brauchtum erkaltetes Ritual erstarrt zur funktionalen Marketing-Bettelgeste.

Es mag anderen anders gehen, aber mich schmerzt dieser Verlust des Rituellen in unserer Kultur.
Mich schmerzt, der Verlust der Wahrnehmung dessen, was Rituale sein können und
mich schmerzt die Reduktion sakraler Akte bis zur Beliebigkeit,
das leichtfertige Aufgeben an sich rituell-sakraler Akte in einer Zeit, die genau diese dringend bräuchte.

Die Kirche leistete im vergangenen Jahr 2020 wahrlich keine irgendwie beachtenswerte Beiträge zum Erhalt ihrer Rituale und ihrer Sakramente. Sie gab sich hin an politische Narrative, denen es sowohl an Wissenschaftlichkeit als auch an Menschlichkeit fehlte [ich erinnere an die einsam Sterbenden, das Verbot der Abschiednahme von Verstorbenen, ja an das willfährige Aussetzen sakraler Akte am Hochfest der Christenheit: Ostern u.v.m.]

Vielleicht führt dies den einen oder anderen zu dem gedanklichen Schluss, dass es einer Kirche, die so leicht ihre Sakramente an die Politik verschenkt, eigentlich gar nicht mehr bedarf. Und so kann man dann letztendlich den Haussegen tatsächlich viel echter und spiritueller selbst vollziehen, aber eben auch die Taufen, Hochzeiten und Jahresfeste. Die Kirche schafft sich selbst ab.

Wenn dies zu einer größeren spirituellen Mündigkeit der Menschen führen würde, dann wäre tatsächlich viel gewonnen.

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Bild © Stefan Brönnle

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Kommentare

Anna StadlerAnna Stadler

Ja, diese Überlegungen sind lesenswert und machen auch betroffen. Vielleicht erkennen die Priester nicht, was sie da verwalten?

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