Die Bedeutung des Drachens


DrachenaugeWir haben auf diesem Block bereits mehrfach über die Drachen gesprochen:

u.v.m.

Es ist Zeit, sich der wörtlichen Bedeutung des Drachens zuzuwenden, denn aus ihr erschließt sich vieles für die symbolisch-mythologische Bedeutung dieses eng mit der Erde verbundenen Wesens.

Das deutsche Wort "Drache" leitet sich ab vom lateinischen "draco". Als solches kam es auch erst mit den Römern zu den germanischen Stämmen. Im 9. Jahrhundert ist "trahho" und "trache" im deutschen Sprachraum nachweisbar. Davor sprach man meist vom Lindwurm (siehe unten).
Das lateinische dracon beruht seinerseits auf dem griechischen drákōn, was sowohl im heutigen Sinne Drache als auch Schlange meinen kann. Diese Doppelbelegung von Drache und Schlange taucht sowohl in der Symbolik, als auch in verwandten Bedeutungen wie den Wyvern (siehe unten) häufig auf und ist für die Bedeutung des Drachens unerlässlich. So ist der Drache wie die Schlange stets ein erdbezogenes Tier, selbst dann, wenn es als Luftdrache in China Verehrung genießt. Das Luftelement (analog auch das Wasserelement bei Wasserdrachen) muss hier als ein Teil der der Erde (als Planet oder mythologisch als Göttin) zugeordneten Elemente verstanden werden.

Das griechische δράκων, drákōn, ist seinerseits abgeleitet von δέρκεσθαι dérkesthai, was "sehen" bedeutet: Ansehen, anblicken, erblicken, wahrnehmen, scharf sehen, ja sogar (Licht)-Strahlen sind die erweiterten Bedeutungen von dérkesthai. Drákōn ist also frei zu übersetzen als "das Tier, das sieht, das wahrnimmt". Eindeutig leitet sich damit der Drache aus der Seh- und Augensymbolik ab, bzw. ist von dieser stark beeinflusst.

Wie in unserem Beitrag Schutzsymbol Auge ausführlich dargelegt, ist das Auge ein Symbol der Erkenntnis, ja der Erleuchtung, also der spirituellen Entwicklung! Nach Platon ist das Auge das am meisten der Sonne ähnliche Sinnesorgan des Menschen. Es verkörpert Helligkeit, Licht, Hellsichtigkeit, Geist.
Dem Drachen ist dies also alles immanent. Er wird als jenes Wesen verstanden, das den Erkenntnisprozess der Menschheit fördert und jener Spirit, der für die Erde wahrnimmt. Wie die Sonne, für das das Auge steht, ist der Drache damit ein Symbol der Göttlichkeit und zugleich Werkzeug der Erde.

Das bis ins 9. Jh. stärker im Deutschen gebräuchliche Wort "Lindwurm" betont einmal mehr die Schlangensymbolik des Drachens (ab dem 9. Jh. waren auch Zusammenfügungen wie lintrache geläufig). linnormr ist eine tautologische Zusammensetzung zweier gleichbedeutender Substantive: linni = Schlange (verbunden mit lindi = weich, zart, nachgiebig, biegsam) und orm oder eben Wurm. Insofern wäre der Lindwurm eben der sich schlängelnde Wurm. Interessanterweise wird aber gerade auch dem Lindwurm die "starke Augenkraft" in den Legenden zugesprochen. Wie eine weitere Variante, der Basilisk, ist der Lindwurm befähigt, durch seinen Blick zu hypnothisieren, erstarren zu lassen, oder gar zu töten. Im sogenannten Spiegelbrunnen in München lebte einst ein Lindwurm, der jeden tötete, der in den Brunnen hinunterblickte, bis er durch einen darüber gehängten Spiegel in seinem eigenen Blick erstarrte. Auch der vor dem Drachen im deutschen Sprachraum gebräuchliche Lindwurm besitzt folglich die gleiche Augensymbolik wie der Drache.

Im Tatzelwurm, aus der Zusammenfügung von Tatze und Wurm, wird der Drache als ein mit Tatzen, also Füßen, ausgestatteter Wurm/Schlange, ebenso anschaulich wiedergegeben.
Wyvern dagegen werden meist als drachenartige Wesen dargestellt, deren Vordergliedmaßen zu Flügeln umgebildet sind (ähnlich wie bei den Vögeln). Der Begriff entstammt dem englischen Wort wyver aus dem 13. Jahrhundert, das sich selbst wiederum vom altfranzösischen wivre, französisch vouivre ableitet und einen Bezug zum lateinischen vipera (Viper) besitzt. Interessanterweise hat die französische vouivre (Wyver) aber ebenso eine Beziehung zum französischen vivre = Leben (wie auch das lateinische vipera, abgeleitet von vivipar = das Leben gebährend). Die geflügelte Schlange der Wyver tritt uns hier also vor allem in ihrer Symbolik der Lebenskraft entgegen.

Drachen sind folglich von ihrer Wortbedeutung her erdbezogene Wesen (Schlangen), die die Bewusstseinskraft und Erkenntnis (Auge, Sehen) in sich tragen und eng mit der Lebenskraft (vouivre/vivre, lat. vivipar) verbunden sind, ja als Quelle dieser gelten.

 

 

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Bild © Gorelova Evgeniya/shutterstock


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