Geschichte der modernen Geomantie


Menhire in AveburyIn den vergangenen 30 Jahren hat sich in der modernen Geomantie viel bewegt. Marco Bischof berichtet hier von dem Beginn der „geomantischen Neuzeit", die auch Teil meiner Geschichte ist.

»In der zweiten Hälfte der 80er-Jahre setzte eine breitere Beschäftigung mit Geomantie ein, und Anfang der 90er-Jahre ergriff der Künstler Hans-Jörg Müller, Vertreter der zweiten Generation deutscher Geomantieforscher, die Initiative, um die auf diesem Gebiet Tätigen miteinander ins Gespräch zu bringen. Die Idee einer Geomantieausbildung wurde diskutiert, motiviert durch die Erkenntnis, dass das Fachgebiet bis dahin nur unvollständig und auf Teilbereiche reduziert gelehrt worden war. Zur Begründung einer Geomantie im wahren Sinne dieses Begriffs sei es nötig, alles zu sammeln, was zu den verschiedenen Aspekten dieses Gebietes bekannt ist, es zu strukturieren und in einen sinnvollen Zusammenhang zu stellen. 1993 erarbeiteten Hans-Jörg Müller und der Landschaftsplaner Stefan Brönnle ein Ausbildungskonzept und gewannen dazu eine Reihe von DozentInnen, die einen Namen in der Geomantie hatten. Die Ausbildung sollte auf dem Konzept einer interdisziplinär verstandenen Geomantie aufbauen und fundierte Grundkenntnisse in den zahlreichen Teildisziplinen, aber auch die philosophisch-geistigen Grundlagen der Geomantie vermitteln. Die unterschiedlichen Auffassungen und methodischen Ansätze der verschiedenen Schulen sollten sich offen darstellen können, so dass die Kursteilnehmer sich selbst ihr Urteil bilden und den von ihnen bevorzugten Weg wählen könnten. Im September 1993 fand in dem geomantischen Tagungshaus "Die Lichtung" des österreichischen Architekten Georg Thurn-Valsassina im Waldviertel ein erstes Treffen statt. Auch ein Name für die geplante Geomantie-Ausbildung war gefunden: "Hagia Chora", was klassisch griechisch "Heilige Landschaft" bedeutet. Im Mai 1994 ging eine Informationsveranstaltung zur Geomantieausbildung im Schloss Gnadenthal bei Kleve über die Bühne. Das Interesse für die Ausbildung war so groß, dass nur 100 der 170 Interessenten zugelassen werden konnten. Die berufsbegleitende Ausbildung begann im darauffolgenden Juni mit 42 Teilnehmern und erstreckte sich bis November 1997. Aus der Veranstaltung in Schloss Gnadenthal ging auch der von Günter Bolze gegründete "Freundeskreis für Geomantie" hervor, der seither regelmäßige Tagungen und Treffen veranstaltet und einen vierteljährlich erscheinenden Rundbrief herausgibt. Obwohl ursprünglich nach Abschluss der Ausbildung keine Fortsetzung geplant war, beschloss der Kreis der DozentInnen im Dezember 1994 die Gründung einer "Schule für Geomantie", die unterschiedliche Kursformate, Seminarreihen, Vorträge und Tagungen vorsah, um den an einer Ausbildung Interessierten ein individuell zusammenstellbares Modulsystem anbieten zu können. Nach dem Eröffnungskongress im Juli 1995 in Bamberg nahm die Schule im August 1995 unter Leitung von Hans-Jörg Müller, Stefan Brönnle, Birgit Tali, Johanna Markl und Richard Hornig ihren Betrieb auf und bietet seither jedes Jahr ein umfangreiches Programm an. Heute wird die Schule von Stefan Brönnle und Richard Hornig geleitet. Die Rechtsbasis der Schule bietet der 1994 gegründete "Verein zur Förderung der Geomantie", der seit 1997 den Zusatz "Hagia Chora" führt. Einige DozentInnen neben den genannten und mir selbst waren und sind Mary Bauermeister, Paul Devereux, Wolf-Dieter Blank, Ewald Kalteiß, Eike Hensch, Herbert Gradl, Ya-Tsung Huang, Harald Jordan, Silvia Reichert, Manfred Kubny, Elvira Recke und Peter F. Strauss. In den letzten Jahren sind weitere Ausbildungsstätten entstanden, und vor allem die jüngste Feng-Shui-Welle hat die Zahl der Institute, Vereine und Ausbildungsangebote stark anwachsen lassen, z.B. existiert seit 1995 die Akademie "Anima Mundi" von Siegfried Prumbach, der mit dem englischen Geomanten Peter Dawkins zusammenarbeitet und eine von ihm so genannte Neue Geomantie unterrichtet. Das "Institut für Geomantie" von Johanna Markl und Birgit Tali bietet Ausbildungen speziell für Frauen an. Weitere Geomantie-Zentren sind die Akademie "Elikon" von Harald Jordan, das "Temenos Institut" von Manfred de Vries oder der "Freiraum" von Barbara und Peter Newerla. 1998 gab der Verein zur Förderung der Geomantie grünes Licht für die Entwicklung der Fachzeitschrift "Hagia Chora", und seit Frühjahr 1999 produzieren Johannes Heimrath und Lara Mallien das vorliegende Magazin als selbständiges Organ, das allen Strömungen der Geomantie eine offene Plattform bietet und das Thema in die aktuelle gesellschaftliche Diskussion einbinden möchte. Mit den von Hagia Chora organisierten Symposien wurde zudem ein öffentlicher Dialog begonnen, in dem die Geomantie zunehmend als ernst zu nehmende Vermittlerin neuer Denk-, Lebens- und Bewusstseinsinhalte wahrgenommen wird.«

Auszug aus
Die Wiederentdeckung der Geomantie
Zur historischen Entwicklung der modernen Geomantie, Teil 4
von Marco Bischof erschienen in Hagia Chora 10/2001

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