Mythische Gestalten zur Winterzeit – Grýla


Trollfrau vor schneebedecktem Berg mit NordlichtGrýla ist eine isländische Sagengestalt. Sie wird meist als Riesin oder Trollfrau, gelegentlich auch als Hexe, bezeichnet. Zur Zeit der Wintersonnwende begibt sich Grýla aus den Bergen, wo sie lebt, zu den Menschen, um nach Nahrung zu suchen. Sie verschlingt dabei bevorzugt Kinder, die nicht brav waren.

Grýla ist eine uralte isländische Sagengestalt, die vormals mit dem Julfest, ab dem 17. Jahrhundert auch mit dem Weihnachtsfest verbunden war. Ihr Name soll soviel wie „Bedrohung" bedeuten. Dies und ihr starker Hunger, weisen sie als Winterdämonin aus. In der Sverris-Saga wird der Name mit „Bugbear" („Popanz") übersetzt. Grýla wird in Snorri Sturlusons Edda aus dem 13. Jahrhundert erstmals schriftlich erwähnt.

Grýla ist der Legende nach die Mutter der 13 Jólasveinar-Weihnachtsmänner, die sie von ihrem 3. Ehemann Leppalúði hat. Sie lebt mit ihnen und der Julkatze in einer Höhle in den Bergen.
Wie schon bei der italienischen Befana-Figur oder noch stärker dem alpenländischen Krampus wird die Urkraft des Winters mit seinen an den Kräften zehrenden Qualitäten in Grýla ebenso personifiziert wie die Urkraft der Fruchtbarkeit. Obwohl hungrig, hat Grýla immerhin 13 Kinder! In ihnen – dazu später mehr – scheint auch die Zeit der Raunächte durch. Die Zeit Grýlas ist also eine magische Zeit, die Zeit, in der das Licht mehr und mehr schwindet und sich der Mensch der Urkraft der Natur ausgeliefert sieht.

Noch ältere Wurzeln bringen Grýla in Verbindung mit der verschlingenden Gestalt der Großen Göttin selbst, wie sie z.B. noch in der indischen Kali lebt.
In manchen der folkloristischen Geschichten um Grýla, die in der Zeit vor dem Julfest (Wintersonnwende) vorgetragen werden, stirbt die Riesin am Ende. Mit dem wiedergeborenen Licht, schwindet auch die furchteinflößende Kraft des Winters.

 

 

Bild © Stefan Brönnle (Vorlage Trollfrau DM7/shutterstock.com)

 


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