Die Erde, die Göttin und die Weiße Kuh


weiße KuhIn der altnordischen Sagenwelt gab es die Göttin Rindr oder Rinda. Sie gilt als eine der Frauen Odins (und Mutter von Vali) und gehört damit zur Familie der Asen. Rindr war eine typische Erdgöttin. Das germanische rinda leitet sich ab vom indogermanischen Wortstamm rem, was ruhen und stützen bedeutet. Das althochdeutsche Wort rinta hat bereits die Bedeutung von Erde. Wir erkennen also den starken Zusammenhang zwischen Rind/Kuh und Erde. Grundelemente dieser Göttin, die zugleich die Erde ist und als Kuh symbolisiert wird, finden wir auch in der indischen Gauri wieder. Als Parvati ist sie die Gattin des Shiva. Gauri hat die Bedeutung von strahlend oder weiß. Gau ist etymologisch mit go verwandt, es entspricht dem griechischen ge, was Erde bedeutet (siehe Gea/Gaia).

Hathor als weiße KuhViele andere Göttinnen der verschiedensten Kulturen treten in Gestalt einer Kuh – meist einer weißen – auf und sind Repräsentantinnen der Erde: Die altägyptische Hesat, die oberägyptische Bat, bzw. die hochägyptische Hathor. In den griechischen Mythen verwandelt Zeus seine Geliebte Io in eine weiße Kuh, um sie vor den Nachstellungen seiner eifersüchtigen Gattin Hera zu schützen. Bei den kontinentalen Kelten wurde die Göttin Damona genannt, was soviel wie „gesegnete" oder eben „weiße Kuh" bedeutet. Meist steht sie, die Erde-Kuh-Göttin auch in engem Zusammenhang mit dem Fruchtbarkeit und Leben spendenden Wasser. Aus diesem kommen die Seelen der Menschen und kehren nach dem Tod wieder in dieses und damit zur Göttin zurück.

Bei den Inselkelten heißt Damona Bóand, irisch Bóinn. Sie ist zum einen wiederum die Erde, die Landschaft selbst und wird in allen fließenden Gewässern geehrt, insbesondere ist sie aber auch die Göttin des irischen Flusses Boyne. Als Teil der keltischen Göttinnen-Triade Brigid, Boann und Cerridwen wird sie als Große Göttin erkennbar. Der Legende nach umrundete Bóand/Boann die heilige Quelle ihres Gatten Nechtan gegen den Sonnenlauf, was diese magisch entweihte. Darum ertrank Boann in ihr und wurde als Fluss Boyne wiedergeboren. So tritt Boann als Landschaftsgöttin auf, die sich aber eben auch in einer weißen Kuh verkörpern kann.

Quelle der weißen Kuh, TaraDas heilige Tara ist der legendäre Sitz und Ernennungsort der irisch-keltischen Hochkönige und einer der meistverehrten Orte Irlands. Am Rande dieser heiligen Landschaft liegt Caprach (of) Cormac, (König) Cormacs Brunnen. Vor Ort jedoch ist die Quelle besser bekannt als Tipre Bu Finne, der Brunnen der weißen Kuh. Andere Namen für diese heilige Quelle sind „Die Heilerin" oder „Das dunkle Auge". Hier begegnet Sie uns wieder die Göttin der weißen Kuh, die zugleich Erde und Landschaft selbst ist und der die lebensspendenden Wasser geweiht sind. So wird Boann letztlich zur tragenden Kraft des heiligen Tara und zur Quelle der irischen Könige.

 

 

Titelbild © cromam70/fotolia.com
Brunnen der Weißen Kuh © Stefan Brönnle
Hathor: Gemeinfrei

 


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