Die Begegnung mit rituellen Kraftobjekten


Stein und GestaltgebungEs gehört zu den ergreifenden Erfahrungen, wenn Du ein rituelles Objekt nicht selbst erstellst, sondern es zu Dir kommt. Es begegnet Dir. Du findest es auf einem Spaziergang, oder auch in irgendeinem Laden. Du erhältst es geschenkt,...
Mir geschieht dies dann und wann und plötzlich erkenne ich in Struktur und Maserung eines Holzes oder eines Steins eine Gestalt. Anderen mag sie verborgen sein, doch mir prägt sie sich vom ersten Augenblick an tief in mein Bewusstsein ein, so dass ich nichts anderes mehr sehen kann, als diese.

 

Es ist nicht das Erkennen einer Gestalt in diesem „natürlichen Rohrschach-Test", die das Objekt heiligen. Ein solches Wiedererkennen können auch belanglose Wolkenbilder bewerkstelligen, es ist die Vehemenz, mit der sich das vermeintlich erschaute Wesen im Stein in Deine Seele brennt. Du kannst es vielleicht noch nicht völlig entschlüsseln, doch Du hörst bereits das Wispern einer Botschaft, nein, vielmehr einen Schrei aus weiter Ferne. Du kannst die Botschaft, die Information noch nicht ganz erfassen, aber das Brennen in Deiner Seele zeigt Dir, dass diese essenziell ist. Solche Momente machen aus dem Fundstück augenblicklich ein Ritualobjekt. Es ist, als wäre es auf Dich und Du auf es geprägt, wie ein Kücken, das kaum aus dem Ei geschlüpft, dem folgt, was es als erstes sieht.
Eine rituelle Weihung ist in solchen Fällen oft scheinbar nur noch Formsache, denn der Moment der Begegnung war die eigentliche Weihe, die himmlische Hochzeit, in der sich Transzendentes und Form in Deinem Bewusstsein verbanden.

So geschehen auch mit den beiden hier abgebildeten Steinen.

Der erste war ein Malachit (Bild oben), dessen runde Maserung mich schlagartig in ihren Bann schlugen. Der dreieckige Stein selbst schon berührte mich mit seiner intensiven grünen Färbung. Malachit besteht chemisch aus Kupfercarbonat und Kupfer wurde seit alters her der Venus zugeordnet. Form und Farbe allein waren so bereits ein Ruf der Göttin, formgewordene Transzendenz. Doch die Maserung ließ eine Gestalthaftigkeit erkennen, in der ich bis heute nichts anderes zu sehen vermag wie die Formensprache der prähistorischen Göttinnenindole (wie hier vergleichend die Venus von Willendorf). Mag auch meine Tochter mich gerne damit aufziehen, dass sie einen Schneemann sieht, die Prägung Große Göttin ist unlöschbar in mir verankert.

Achat mit EngelsgestaltDer jüngste ist ein Achat. Der Mythologie nach halfen Amulette aus Achat als Schutz gegen Blitz und Sturm. Er besteht aus Siliciumdioxid. Silicium rüttelt an fixen Ideen wie ein Sturm und der Sauerstoff lässt neue Ideen Wirklichkeit werden, bringt erstarrte Gemütszustände in Bewegung. Und wieder trafen sich Form und Material, Transzendenz und Materie: Schlagartig wurde für mich eine Gestalt erkennbar an der Schwelle zwischen zwei Existenzen: Rechts oben ist der Stein durch die starke Maserung definiert, links unten ist er homogen ausgestaltet. Die Gestalt trennt und verbindet beide William BlakeAbschnitte. Wie in einem unsichtbaren Sturm wehen ihr die Haare ins Gesicht. Sie gleicht einer Odinsdarstellung im Sturmwind, ähnlich der schöpfergottartigen Gestalt im visionären Gemälde von William BlakeEurope a Prophecy". Doch das Steinwesen ist geflügelt, einem erdhaften Engel gleich bildet die Maserung des Achats die Schwingen. Zwei Wirklichkeiten, gleichsam getrennt und verbunden im Sturm der Erneuerung, die das Steinwesen vertritt.
...Und dann der Strahl, der aus seinem Herzen zu treten scheint wie eine Eruption aus Licht. Christusartig wirkt die Gestalt, doch nicht lieblich, sondern wild und kraftvoll wie ein Engel des Sturms oder ein Windgott.

Es mag nicht jeder diese meine Bilder nachvollziehen können, doch das ist auch nicht wichtig. Es ist wie gesagt dieser Moment der Begegnung, wenn ein solches Objekt zu Dir findet. Jenes Aufeinandertreffen von Transzendenz und Stofflichkeit, das sich in einer einzigartigen Synchronizität in Dein Leben drängt. Solche Objekte sind schon allein durch die Kraft dieser Begegnung rituell geweiht und mit Magie geladen, wahre Kraftobjekte, die Psyche und Physis in sich verschmelzen. Geschenke der Natur, der Spirits, der Götter....

 

 

 

Bilder Steine © Stefan Brönnle
Europa a Prophecy. Ausschnitt aus dem Gemälde von William Blake.

 


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