Der Maibaum


Maibaum vor KircheVor allem in Süddeutschland (aber natürlich auch in anderen Gegenden bis hinauf nach Skandinavien) ist der Maibaum im Dorfzentrum eine feste Tradition, ja Institution geworden: Am 1. Mai wird ein hoher, gerader Stamm errichtet. Früheste Belege für diesen Brauch gab es in der Eifel im 12. Jahrhundert. Richtig ausgebreitet hat sich aber offenbar der Brauch erst im 16. Jahrhundert. Was hat es mit dem Maibaum auf sich?

Der deutsche Monatsname Mai leitet sich vermutlich vom altitalischen Fruchtbarkeitsgott Maius ab. Daher steht die Tradition des Maibaums – auch wenn eindeutige lineare Bezüge fehlen – sehr wahrscheinlich mit dem Fruchtbarkeitsritus verschiedene Völker im Zusammenhang. Bezüge zum Maibaum gibt es bei den Germanen, den Kelten, den Italikern, den Slawen und vielen anderen Volksgruppen. Die Symbolsprache des Baumes als Vermittler der Kräfte und Fruchtbarkeit ist eindeutig:

 

 

 

 

 

Die Spitze

Die Spitze des Maibaums ziert in der Regel die Baumkrone. Früher galt die Regel, dem Maibaum würde die Kraft fehlen, wenn die Krone fehlen würde, inzwischen sieht man aber auch metallene Spitzen und Ortssymbole an der Spitze. Hier tritt uns der Weltenbaum sehr deutlich entgegen, dessen Krone mit der Götterwelt verbunden ist.

 

Die Kränze

In der Regel ziert wenigstens ein Kranz den Maibaum. Im phallischen Bild des Baumstamms, der den Kranz durchdringt, symbolisiert sich die Himmlische Hochzeit und die Befruchtung des Landes. Idealtypischerweise geschieht diese Befruchtung auf allen drei Seinsebenen. Der Stamm des „Weltenbaumes" durchdringt die untere, mittlere und obere Welt, so dass drei Kränze den Maibaum zieren.
Im unteren Bereich zieren heute oft die „Stützen der Gesellschaft" den Baum. Hier verewigten sich die Zünfte, heute gar die Geldgeber und Sponsoren. So kann man aktuell sogar das Sparkassen- und Raiffeisen-Logo entdecken. Die Finanzmacht hat hier leider bereits den Weltenbaum unter ihre Kontrolle gebracht.

 

Der Stamm

Der Stamm muss geschält sein, zum einen natürlich, um die Haltbarkeit zu erhöhen, damit sich unter der Borke keine Insekten einnisten. Symbolisch-mythologisch aber deshalb, damit keine unguten Kräfte und Geister den Baum heimlich unter der Borke versteckt in Besitz nehmen (so wie die Finanzmacht es nun offen tut).

 

Das Band

Schlange windet sich um Säule. Links historische Abbildung, rechts Schlangenstein im Park an der vilm/WeimarEs gibt natürlich verschiedenste Traditionen, wie ein Maibaum geschmückt sein soll. In Bayern ist der gerade Stamm in der Regel mit einer spiralförmig gewundenen grünen Girlande oder alternativ mit einem sich windenden blauen aufgemalten Band auf weißem Grund geschmückt. Hier gibt es sogar recht eindeutige Brauchtumsvorschriften: Richtig „geschnürt" verläuft die Spirale von unten rechts nach oben links gedreht. Die sich aufwärts windende Spirale hat deutliche Parallelen zum Asklepionstab. Die sich die „Weltenachse" emporschlängelnde Schlange finden wir als mythologisches Symbol bei den Römern als Genius loci, als Ortskraft, die sich die Weltenachse hinaufwindet, in Ägypten als Uräusschlange als Symbol der Magie und Kraft, bei den Hebräern als Symol der Heilskraft und Erlösung (Eherne Schlange) u.v.m.

 

Das Baumschlagen

Heutige Bäume sind sehr groß und aufwändig, daher werden Sie schon einige Zeit vor dem ersten Mai gefällt und bearbeitet. Früher jedoch wurde der Maibaum in der Walpurgisnacht, also unmittelbar vor dem Aufstellen gefällt. Das Entrinden, Bemalen etc. geschah in einer Nacht!

 

Der rituelle Diebstahl

Zum Maibaumaufstellen gehört zumindest der Versuch des rituellen Diebstahls. Dieser musste ganz bestimmten Regeln folgen (die leider auch zunehmend missachtet werden):

  • Der Diebstahl durfte nur in der Walpurgisnacht selbst erfolgen
  • Der Baum durfte nicht beschädigt werden
  • Der Baum durfte erst gestohlen werden, wenn er sich innerhalb der Dorfgrenzen befand. Erst jetzt galt seine Fruchtbarkeit als voll entfaltet.
  • Solange ein Wächter ihn berührte, durfte der Baum nicht entwendet werden.

 

Das Aufstellen

Das Aufstellen muss von Hand geschehen, Hebekräne sind bis heute weitestgehend verpönt. Erlaubt sind nur Schwaiberl oder Scharstangen und Irxnschmalz (Muskelkraft). Dies zeigt im Besonderen die Ritualkraft des Aktes.

So ist das Aufstellen des Maibaums zum alten keltischen Fest Beltane ein alter Fruchtbarkeitsritus, der die Kraft der Erde erneuert und als Schlange emporsteigen lässt, indem es zur Himmlischen Hochzeit auf allen Seinsebenen im Zentrum des Dorfes kommt.

 

 

 

Bild © Klaus Brauner/fotolia.com
Bild Schlangenstein historisch (gemeinfrei)
Bild Schlangstein/Park an der Ilm © Stefan Brönnle


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