Die Treppe: Ort der Transformation und Verbindung


eine leichte, moderne, weiße Wendeltreppe vor einer roten WandTreppen sind ein ganz besonderes Organ des >Wesens Haus<. Im Zauberschloss Hogwarts werden sie misstrauisch beäugt, weil sie unverhofft ihre Richtung ändern können. Im Feng Shui sind insbesondere Wendeltreppen in der Hausmitte oft als „bohrender Korkenzieher" verpönt und doch kommen wir ohne sie nicht aus. Woher kommt die Symbolik der Treppe im Haus und daher letztlich ihre geomantische Interpretation?

Um dies zu verstehen, müssen wir uns zum einen der Symbolik der Stockwerke bewusst werden. Die verschiedenen Ebenen des Hauses stehen symbolisch für verschiedene Bewusstseinsebenen: Der Keller für das Unbewusste, das Erdgeschoss für das Tagesbewusstsein und der Dachboden für das Überbewusst-Geistige. Dadurch tritt die Treppe als Verbindung zwischen verschiedenen Bewusstseinseben symbolisch hervor. Sie stellt eine Art Himmelsachse, eine „axis mundi" dar. Im mythischen Bild der Jakobsleiter, die Jakob laut Bibel gesehen haben will, stiegen Engel entlang einer Leiter als axis mundi zur Erde herab. Die Treppe bildet hier also einen Bewusstseinskanal. Vor allem die aufsteigende Treppe steht symbolisch für die Transformation der Persönlichkeit, die geistig-seelische Reifung. Im oben erwähnten Zauberschloss Hogwarts ändern die Treppen ihre Richtung. Du weißt nicht, ob Du bei einem Transformationsprozess dort herauskommst, wo Du es vermutest.
In der Alchemie ist die Treppe der Planeten ein Sinnbild der Wandlung der Metalle zu Gold, bzw. der Erzeugung des Steins der Weisen: Die scala lapidis (Steintreppe). Umgekehrt ist die absteigende Treppe mit dem Unbewussten und der Unterwelt verbunden. Sie führt zum sol niger, zur schwarzen Sonne. Die Treppe im Haus steht nun für beides, die aufwärts gerichtete Transformation und die abwärtsgerichtete Verdichtung. Da wir die Treppe in beide Richtungen nutzen, bildet diese eine häusliche Himmelsachse ab, die ebenso hoffnungsverheißend wie kritisch ist. Das althochdeutsche Wort „trappa" kann auch „Falle" oder „Schlinge" meinen.

Mit diesem Spannungszustand verbunden ist die Unruhe. Die Treppe ist ein Weg zwischen verschiedenen Bewusstseinszuständen. Das Wort „Treppe" bildet sich aus Verben wie „trappen", „trippeln", „trampeln". Es ist ein Ort der Bewegung. Nun können wir vielleicht verstehen, warum eine Treppe in der Hausmitte im Feng Shui nicht gern gesehen wird. Die Mitte sollte ruhig und zentriert sein, die Treppe aber ist stets mit Unruhe verbunden. Aus einer anderen Perspektive gesehen, ist die Treppe aber eben eine „Himmelsleiter". Führt diese direkt in Deine Mitte, dann ist Deine geistige Anbindung phänomenal. Treppen – insbesondere in der Hausmitte – können also Hilfe und Fallstrick sein.

Daher ist es nutzbringend, Treppen am unteren Ende zu stabilisieren. Legen Sie einen größeren, schweren Stein an den Fuß der Treppe (natürlich so, dass keine Stolpergefahr besteht). So wird die Himmelsleiter rituell im Physischen verankert. Am oberen Treppenende dagegen bringt man Symbole an, mit denen man sich geistig verbunden fühlt: Die Feder Deines Krafttiers, ein Bild Buddhas oder ein selbstgewähltes Symbol, dass Dich mit dem Geistigen verbindet.
Bei Räucherungen zur Jahreswende empfiehlt es sich, der Treppe besondere Aufmerksamkeit zu geben und den Kanal zu Deinem Unbewussten und zu Deinen höheren geistigen Kräften bewusst zu reinigen und zu aktivieren.

Ausbildung Geomantische Hausgestaltung „Raum & Mensch"

Bild © fotolia


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