Unsere Tiergeister - Das Pferd


Schwarzes PferdDer Name „Pferd“ ist erst seit dem frühen Mittelalter bei uns gegenwärtig. Er leitet sich ab vom gallorömischen „paraveredus“ (aus „para“ = neben, „ve“ = unter und „reda“ = Kutsche). Paraveredus bezeichnete bei einer zweispännigen Kutsche das reine Zugpferd, während das andere auch geritten wurde. Das älter gebräuchliche Wort ist „Ross“. Es stammt vom Althochdeutschen „hros“ ab und ist hier auch mit dem englischen „horse“ verwandt. Etymologische Bezüge von „hros“ zu „cursus“ (Lauf) sind ebenfalls nachzuweisen. Das Pferd ist also ein „Renner“ und „Zugtier“

Die tiefe religiöse Bedeutung der Kraft und Klugheit des Tieres ist in zahlreichen mythologischen Bildern und Brauchtümern erkennbar.
Das Pferd stand in enger Verbindung zu den Göttern. Bei den Indogermanen war es das wertvollste Opfertier überhaupt. So wurde z.B. auch 1272 durch ein päpstliches Edikt der Genuss von Pferdefleisch verboten! In vorchristlicher Zeit wurde beim Pferdeopfer der Kopf des Tieres in einen Baum gehängt. Diesem Kopf sagte man nach, wahrsagen zu können. Elemente dieser Sichtweise, dass das Pferd auch Orakeltier war, finden wir beim Ross des Archilles, das ihm den Tod prophezeite. Tacitus berichtete, dass das Schnauben und Wiehern eines Pferdes des Schlachtenausgang prophezeie. Aber auch örtliche Brauchtümer zeugen davon: Wälzte sich ein Pferd vor der Haustür auf dem Boden, so galt dies als Zeichen, dass es sich von seinem „toten Reiter“ befreien wolle. Jemand im Haus würde also bald sterben. Urinierte ein Pferd im Vorübergehen in der Nähe eines Hauses, so galt dies als glückverheißend. Und natürlich darf man nicht die glückbringende Kraft des Hufeisens vergessen!

In der germanischen Mythologie ziehen die Pferde Arvakr (Frühwach) und Alsdidr (Allschnell) den Sonnenwagen und der Göttervater Odin reitet auf seinem achtbeinigen Pferd namens Sleipnir. Der wandelbare Gott Loki verwandelte sich einst in eine Stute und gebar so das Pferd Sleipnir.
Bei den Kelten galt das Pferd als Symbol der Erde und als Verkörperung der Göttin Epona. Jedoch auch Taranis wurde manchmal in Pferdegestalt dargestellt.

Das Pferd steht daher der Erd- und Sonnensymbolik nahe.
In den indischen Veden erscheint das Pferd als Lebenskraft (prana). Deshalb kann es die Götterwagen lenken. In der indischen Philosophie wird der Name dieses Pferdes "ashva" als höheres Konzept verstanden: asha = Hoffnung; ash = sich bewegen, durchdringen, erreichen, essen; ashana = Hunger; ashu = schnell. In den Upinashaden wird "prana" durch das Pferd "mit dem Mundhauch" (mukhya asanya) repräsentiert. Hier trägt es das Wort, Symbol für den lebendigen schöpferischen Ausdruck durch das Leben zum Tode hin. Auch auf keltischen Münzen sind einen Hauch ausstoßende Pferde häufige Motive. Sie zeigen das Symbol des Lebensodems und werden damit zum Symbol des Seelenhaften an sich. Auch das geflügelte Pferd (z.B. Pegasus) schlägt die Brücke zur Seele.

Darum stehen Pferde auch mit dem Tod und der Jenseitsreise in Verbindung. Bei den Etruskern sind Pferde Begleiter der Seele bei ihrer Reise in die Unterwelt. Auch der Wagen des Hades, dem griechischen Gott der Unterwelt, wird natürlich von einem Pferd gezogen. Odin führt die Wilde Jagd auf seinem Ross an und „Frau Percht“ reitet einen dreibeinigen Rappen. So wundert es nicht, dass in christlichen Bildern der Tod einen mageren Schimmel reitet. In den Sagen gibt es unzählige Varianten des Geisterpferdes wie kopflose Reiter, die Ringgeister im Herrn der Ringe oder auch der Schimmelreiter….

Das Pferd als Seelen- und Göttertier verkörpert Lebenskraft, Freiheit und Reichtum. Begegnet Dir ein Pferd in Traum oder im physischen Leben, wirst Du mit dieser Lebens- und Seelenkraft konfrontiert. Es kommt, um Dir „Last abzunehmen“, Dich zu ermahnen, Deine Freiheit zu leben, Deine Seelenkraft zu entfachen oder als Begleiter einer schweren Schwelle im Leben.

Das Pferd – Lebenskraft und seelische Verbindung zum Göttlichen.




Bild: © Thinkstock

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