Perchtnacht


Pelzperchten : Männer in Röcken mit Besen und bepelztem Gesicht - umgeben von RauchDie Nächte ab Weihnachten gehören zu den 12 heiligen Nächten, ein Zeitfenster, das als „Raunächte“ (Oberpfalz), „Mutternächte“ (Erzgebirge) oder „die Zwölften“ (Norddeutschland) im Brauchtum bekannt sind. Es sind die heiligen Nächte um die Wintersonnwende und den kalendarischen Jahreswechsel herum, die mit Ritualen begleitet und begangen werden.

Die letzte Nacht der Raunächte ist die heiligste der 12 Nächte. Das Königsräuchern wird traditionell in dieser Nacht vollzogen. Das Verräuchern von Harzen, Kräutern und Hölzer zur Reinigung von Mensch, Hof und Tieren spielte eine wichtige Rolle während der 12 heiligen Nächte. Deren Namen ist wahrscheinlich von mittelhochdeutsch  „ rouch“  (Rauchen, Räuchern) oder von althochdeutsch „run“  (Geheimnis) abgeleitet. Die 12 Nächte am Ende des Jahres ist die Zeitdifferenz  zwischen Mond- und Sonnenkalender: Das Mondjahr mit (29.5 Tage & 12 =) 354 Tagen und das Sonnenjahr mit 365.25 Tage werden so rituell „synchronisiert“, die Differenz der Kalender gilt als sensible, daher heilige Zeit.

Die Nacht des 5. Januar ist die Perchtnacht oder die Frau Holle Nacht.

Diese Nacht gilt als die magischste Nacht. Die Tiere reden und Weissagen. Die alte schamanische Fähigkeit, mit den Tieren zu kommunizieren, hat sich in dieser Nacht erhalten. Wie die Krafttiere, die in der schamanischen Trancereise aufgesucht werden, wissen auch die Tiere, die in dieser Nacht zu den Menschen sprachen, vieles über das Leben und die bevorstehenden Dinge. Sie besitzen daher die Kraft der Vorausschau, die Weissagung. Draußen in der Natur wird am Abend der Gabentisch für die Frau Holle gerichtet. Der großen Göttin und mit ihr den Naturgeistern und Elementarkräften wird mit dem Gabentisch den Dank ausgesprochen, mit allen Versorgt zu sein, was man zum Leben braucht. Dem Wasser, um Mitternacht geschöpft, wird besondere Heilkraft zugesprochen.  Das Königsräuchern in den Raunächten begleitet das Loslassen, um Raum und Platz für die neuen Impulse zu schaffen. Was nicht mehr dient, wird mithilfe der Räucherungen beendet, verabschiedet und abgeschlossen. Ein wichtiger Vorgang, um äußerlich wie Innerlich zur Ruhe zu kommen und alte Geschehnisse, Energien und an Erfahrungen gebundene Gefühle nicht mit ins neue Jahr zu schleppen. Dazu werden kräftige Räucherwerke entzündet. Man geht durch jeden Raum des Hofes, ob Stube, Zimmer, Abstellkammer, Keller, Garage, Schuppen, Ställe, alles wird gründlich geräuchert, alle Ecken, Regale, Betten, Geräte. Was auch immer das Jahr an Glück und Leid bereit hatte, es ist vorüber und die Alte Energie wird verabschiedet. Die reinigenden Pflanzensubstanzen wie Salbei, Wacholder, Tannenharze, Fichtenharze, Dost, Thymian und Beifuß wurden im Jahr gesammelt und jetzt großzügig verbrannt. Viele der Pflanzen haben zudem desinfizierende Wirkung und können noch heute Infektionen hervorragend eindämmen, es ist also weise, im Winter damit durch die Räume zu gehen. Der Weihrauch, der bei uns nicht heimisch ist, ist durch den katholischen Brauch zu den Räucherungen dazugekommen. In dieser Zeit diente er auch als Schutz vor den Geistern, die in der Dunkelheit und vor allem in den Raunächten unterwegs sind. Durch die Abkopplung von der Natur lösten diese nun Ängste aus und anstelle des Dankes mit dem Gabentisch flüchteten sich die Menschen in den Schutz der Häuser. Die Dunkelheit, die alte Geborgenheit der Urmutter, wurde zur bedrohlichen Nacht mit Unholden und bösen Geistern, der wilden Jagd, die der Rauch vertreiben sollte. Die Zeit zwischen den Zeiten war heilig wie unheimlich. Die Räucherungen waren daher stets ein fester Bestandteil dieser Zeit.

 Die 4 Ecken des Hauses werden ganz gründlich geräuchert und wenn das nicht reicht, mit dem Besen rituell gekehrt und das Alte über die Türschwelle aus dem Haus gefegt. Die Türe wird nun mit dem Haussegen für das neue Jahr versehen, ein Ritual, das in Bayern mit den 3 Königen am 6. Januar noch in Anklängen vollzogen wird. Danach wird das Rauchmahl gehalten: Knödel mit Wurst oder Glühwein und Tee mit Krapfen.

 

Seminartipp: Die rituelle Hausreinigung

 

 

Text: Sibylle Krähenbühl
Bild © Stefan Brönnle (Vorlage: Pelzperchten: SimerlAltaussee@Wikipedia)


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