Unsere Pflanzengeister - Der Wegerich


Wegerich-BlüteDrei Wegerichgeschwister gibt es, den Spitzwegerich (Plantago Ianceolata), den Breitwegerich (Plantago major) und den Mittleren Wegerich (Plantago media).

Andere Namen : Heilwegerich‚ Wundwegerich, Straßenbraut.

Der lateinische Name Plantago ist zusammengesetzt aus planta = Setzling/Pflanze und agere bewegen. Andere wiederum leiten „planta" von „Fußsohle” ab. In Amerika wurde der Wegerich von weißen Siedlern eingeschleppt, weshalb er dort von den Indianern auch "Fußtritt des weißen Mannes" genannt wurde. Die Endung „-rich" stand im lndogermanischen für „Herrscher", „Fürst”. Wegerich heißt also „Herrscher des Weges”. In einer Legende heißt es, ein junges Mädchen habe am Straßenrand vergeblich auf ihren Geliebten gewartet, schließlich habe sie sich in einen Wegerich verwandelt. Daher kommt auch der Volksname "Straßenbraut".

Der „Neunkräutersegen" aus dem 11. Jahrhundert besingt den Wegerich als Heilsbringer:

„Und du, Wegerich, Mutter der Pflanzen, offen nach Osten, mächtig im Innern: Über dich knarrten Wagen, über dich ritten Frauen, über dich schrieen Bräute, über dich schnaubten Farren (junge Stiere); allen widerstandest du und setztest dich ihnen entgegen:
So widerstehe auch du dem Gift und der Ansteckung und dem Übel, das über das Land dahinfährt...

Der Wegerich galt als Mutter aller Heilpflanzen den Lachnern (alte Bezeichnung für Heiler) als Allesheilmittel. Die Heilwirkung gilt im Wesentlichen für alle Wegericharten. Wegerichblätter in die Schuhe gelegt oder zwischen die Zehen gesteckt, helfen gegen verschiedene Fußkrankheiten. In Gegenden Frankreichs und Bosniens galt der Spitzwegerich als Heilmittel der Männer, der Breitwegerich als Heilmittel der Frauen. Der Wegerich wurde auch zum Zwecke des Liebeszaubers verwendet: Zu diesem Zweck muss man an Johanni vor Sonnenaufgang den Samen des Wegerichs sammeln, pulverisieren und mit 2 Tröpfchen Weihwasser in den Kiel einer Gänsefeder bringen. Das Ganze dann mit Wachs verstopfen. Wer dieses Mittel bei sich trägt wird von allen geliebt.

Für die Germanen verkörperte der Wegerich die wieder aus der Unterwelt ans Licht getretenen Seelen, die nun den Menschen auf der Erde nachfolgten. Den Mythen nach ist es der Pflanzengeist des Wegerich, der den Pilgern auf dem Weg ins irdische Leben und zurück, den grünen Teppich auslegt und gegen die Widrigkeiten des Reisens schützend und heilend behilflich ist. Um der Seele den Eintritt zum Lebensweg zu erleichtern, hielten germanische Frauen bei der Geburt eine Wegerichwurzel in der linken Hand damit die Schwingung dieser Pflanze vor Kindsbettkomplikationen wie Sturzblutung und Fieber bewahrte.

Die Griechen und Römer sahen den Wegerich auch mit dem zyklischen Weg der Ahnen verbunden und widmeten ihn der Prospertina, bzw Persephone, die Ihren Weg in die Unterwelt und wieder zurück in der Welt der Lebenden geht. Ein alter Name für den Wegerich im Mittelalter war so auch „Herba proserpinacia” also Prospertinakraut.

(Spitz-)Wegerich-Essenz ermöglicht uns Orientierung an unserer eigenen Stärke und Schönheit. Sie verhilft zu einer gesunden Selbstachtung und bei der Meisterung des eigenen Lebensweges.

Der Wegerich - Der Wegbegleiter



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