Unsere Tiergeister – Der Maulwurf


Maulwurf, der sich aus der Erde gräbtDa nach einer schamanischen Krafttierreise endlich die Maulwürfe, die unseren Gemüsegarten durchwühlten, in eine Lebendfalle gegangen sind (siehe Bilder unten, gleich zwei auf einmal), soll dies uns Anlass sein, die symbolische Bedeutung des Tiergeistes Maulwurf zu beleuchten….

Seit dem 16. Jahrhundert gibt es die Erklärung aus dem Volksglauben, der Maulwurf würde die Erde mit seinem Maul aufwerfen, woher sein Name rühre. Vermutlich leitet sich das Wortteil „Maul“ aber von altnordisch „mugi“ (altenglich muwa) ab, was „Haufen“ bedeutet, also „Haufenwerfer“.

Als typisch chthonisches Wesen wird der Maulwurf symbolisch meist den Nachtgeschöpfen zugeordnet und kommt daher im christlichen Kontext oft nicht sehr gut weg. Schon Plinius berichtet, der Maulwurf habe ganze Städte unterwühlt und zum Einsturz gebracht. Darin wird die tiefsitzende Angst offenbar, dass das stabilste Element (Erde) vom Maulwurf in Bewegung gebracht werden kann und dadurch instabil wird.

Die häufigste Bedeutung des Maulwurfs ist die als Todesomen: Wenn der Maulwurf (beim Graben) an die Rückseite des Hauses stößt, so stirbt jemand im Haus. Insbesondere bei Häusern mit Böden aus gestampfter Erde konnte es schon einmal vorkommen, dass der Maulwurf IM hause seinen Haufen warf: Wirft der Maulwurf in der Stube, so stirbt die Großmutter, wirft er in der Waschkammer, so stirbt die Hausfrau, wird ein Maulwurf in geschnittenen Kräutern gefunden, so stirbt der Hausherr. Hat ein Maulwurf die Erde eines Grabes aufgewühlt, so stirbt jemand aus der Familie usf.

Damit gehört der Maulwurf deutlich zu den Seelentieren, denn er galt durchaus nicht nur als Unglücksbote: Wenn ein Maulwurf Deinen Weg kreuzt, so bedeutet das Glück, gräbt sich der Maulwurf unter der Türschwelle hindurch ins Haus hinein, so weist dies auf eine Schwangerschaft im Haus hin.

Seelentiere galten stets als starke Zaubertiere. Die Grabschaufeln des Maulwurfs erinnern an menschliche Hände, was den Aspekt als magisches Wesen noch verstärkte: Eine Geldoben: Maulwurf wird in den Händer gehalten. Unten: Maulwurf kopf zwischen den Händenbörse aus Maulwurfsfell trug zu finanziellem Glück bei und wer eine Maulwurfspfote mit sich führte, „kauft wolfeil und verkauft theuer“. Wenn man ein Maulwurfsherz zusammen mit Schöllkraut mit sich führt, erhält man außergewöhnliche Körperkraft. Wer ein frisches, noch zuckendes Maulwurfsherz isst, erhält die Gabe der Weissagung und Vorhersehung und ein Maulwurfszahn galt als Mittel gegen Zahnschmerzen. Die Erde von Maulwurfshügeln galt als Mittel gegen Flöhe. Hildegard von Bingen qualifizierte  den Maulwurf als kalt und feucht (=erdhaft), seine Leber und sein Fleisch sollten gegen „innere Fäulnis“ und Skrofeln (chronische Entzündungen und Eiterungen) helfen.

Als Wesen, das zum „zweiten Gesicht“ führte, konnte der Maulwurf natürlich auch selbst vorhersagen tätigen. Vor allem als Wetterorakel fand er Anwendung: „Wenn der Maulwurf viel und hoch aufwirft, so folgt Regen“ [diese Beobachtung ist gar nicht so dumm, denn bei feuchtem Wetter findet sich auch die Lieblingsspeise der Maulwürfe – der Regenwurm – oberflächennah, während bei Trockenheit sich der Regenwurm in feuchtere, tiefere Regionen zurückzieht – und der Maulwurf folgt ihm]. Oder: „Wenn der Maulwurf schon im Januar gräbt, folgt Winter bis zum Mai.“

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Maulwurfs ist seine Kurzsichtigkeit, die oft gar als Blindheit gedeutet wurde. Dies wurde oft als eine Analogie auf Blindheit und Verschlossenheit betrachtet.

Als Krafttier nimmt Dich der Maulwurf auf die Reise in die Untere Welt mit. Er verstärkt Deine Verbindung zur Erde und Deine Intuition. Diese führt Dich auch dort, wo Du nichts sehen kannst. Der Maulwurf kennt die Wurzeln aller Dinge und unterstützt die Heilkräfte des Körpers. Als Seelentier schafft er Verbindungen in die Ahnenwelt. Dabei kann auch die Stabilität der Materie transformiert werden und somit einiges „ins Wanken bringen“.

 

Der Maulwurf – Seelentier der Erde

 

Bilder:

Einzelbild: ©  juefraphoto @ fotolia.de

Doppelbild: © Stefan Brönnle

 


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