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Unsere Pflanzengeister - Die Narzisse

05. Apr. 2015 | Von: Stefan Brönnle | Kategorien: Mythen, Symbole, Pflanzengeister | 0 Kommentare

Narzisse

Anderer Name: Osterglocke, Märzenbecher, Falscher Narzissus, Trompeten-Narzissen

Narzissen stammen ursprünglich aus dem Mittelmeerraum. 1556 brachte der niederländische Botaniker Clusius einige Zwiebelpflanzen von einer Reise in den Orient in sein Heimatland und verbreitete in den folgenden Jahren seine selbstgezüchteten Sorten in ganz Europa.

Der Name leitet sich ab von narkissos = narkao = ich betäube (Narkose) und bezieht sich vermutlich auf den „betäubenden Duft”.

Nach griechischer Mythologie war es der Sohn des Flussgottes Kephios, Narziss, dessen atemberaubende Schönheit alle Frauen betörte. Auch die Bergnymphe Echo erlag seiner Schönheit, doch Narziss erwiderte ihre Liebe nicht. Sie verzehrte sich vor Gram derart, dass sie zum Felsen erstarrte und nur ihre Stimme übrigblieb. Um dies zu rächen, ließ Nemesis den Jüngling in Liebe zu sich selbst entbrennen. Als er sein Spiegelbild im Wasser sah, konnte er seinen Blick von sich selbst nicht mehr abwenden. Er wollte sich selbst umarmen und wäre so ertrunken. Die Götter verwandelten ihn jedoch in die Narzisse. So bezeichnete Sigmund Freud nach dieser Legende die Selbstverliebtheit als Narzissmus.

Aber auch beim Raub der Persephone (der Tochter der Demeter) durch den Unterweltsgott Hades spielte die Narzisse eine Rolle: Hades ließ Narzissen erblühen und Persephone war bezaubert von ihrer Schönheit. Doch als sie die Blumen ergreifen wollte, öffnete sich die Erde, Hades erschien und zerrte Persephone in seinen Wagen. Alljährlich darf sie jedoch im Frühjahr zu ihrer Mutter zurückkehren. Auch hier erscheint das Motiv der Schönheit, der Jugend, des Frühjahrs und der Bannung.

Im Islam gelten die Trichter ihrer Blüte als Augen. Das weiße Auge der Narzisse kann dabei jedoch auch ein blindes Auge sein oder ein von Schlaflosigkeit gezeichnetes. Gelegentlich wird die Narzissenblüte im Islam so auch als Symbol für ein von Liebessehnsucht blind geweintes Auge verwendet.

Die Narzisse ist ein Frühlingssymbol aber auch ein Symbol für Schlaf, Tod und Wiederauferstehung. Im Arabischen bedeutet der Name „Todverkünder". In der Blumensprache gilt sie jedoch auch als Zeichen der Eifersucht, die Nebenbuhlerinnen nicht zulässt. In China ist sie ein Symbol des Neujahrs und des Glücks.

Interessanterweise haben die Inhaltsstoffe der Narzisse Wirkungen, die denen der Mythen entsprechen: Geschnittene Narzissen schleimen ab. Andere Pflanzen („Nebenbuhlerinnen”) vertragen diesen Schleim nur schlecht, weshalb man geschnittene Narzissen (wenigstens eine Zeit lang) in eine eigene Vase stellen sollte. Ein Absinken des Encephalinspiegels kann im Menschen zu einer melancholischen Stimmung führen und einen Mangel an Selbstvertrauen zur Folge haben. Narzissen können mit Ihren Inhaltsstoffen die Encephalinproduktion und Endorphinproduktion anregen. Narzissen können also zu Selbstvertrauen und Glücksgefühlen führen.

Die Blüte der Narzisse bildet - wie alle Liliengewächse - ein sehr regelmäßiges Hexagramm - ein Symbol der Vereinigung von Feuer und Wasser und der Bindung des Geistes in der Materie.
Für E. M. Kranich spiegeln sich in der Narzisse die Gesten der Zuwendung, der Hingabe und des Bewunderns: "Die Seele wendet sich dem, was sie bewundert, offen und rückhaltlos zu. Unter dem Eindruck des Großen u. Bedeutenden sind ihre Tore weit geöffnet. Aus der Tiefe kommt ein Verlangen, sich an das hinzugeben, was man erlebt. Die Seele möchte dies in ihr Inneres aufnehmen u. mit ihrem eigenen Dasein vereinigen. Das Innere strömt dem Schönen u. Erhabenen entgegen, um sich mit ihm zu erfüllen."

Die Blütenessenz der Narzisse hilft uns Neues aus innerer Sicht heraus zu akzeptieren und Leben zu integrieren, Selbstbewusstsein zu entwickeln und nach außen auszustrahlen.

Die Narzisse - Geist der Selbstliebe und der absoluten Hingabe



Bild © Stefan Brönnle

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