Kann Geomantie schamanisch sein?


Schamanin und steinkreis

Diese Frage ist schwer und leicht zugleich zu beantworten. Der schwere Teil daran ist die Definition dessen, was >Geomantie<, was >Schamanismus< überhaupt ist.  >Geomantie< bedeutet in seiner Urbedeutung ja so viel wie „Wahrsagen aus der Erde“, hat aber schon lange eine große Bedeutungserweiterung erfahren, beginnend damit dass Missionare in China, die Lehre des Feng Shui mit „Geomantie“ übersetzten. Heute umfasst >Geomantie< die verschiedensten Techniken und Methoden, die alle dazu dienen, die Wirkung von Ortsqualitäten in ihrer Gesamtheit auf den Menschen, aber auch auf andere Wesen und Phänomene zu analysieren, zu definieren oder vorherzusagen: Messtechnik, Radiästhesie, Formen-Interpretation, Interpretation von Sagen und Mythen, aber eben auch unmittelbare Wahrnehmungen aus verschiedenen Bewusstseinsstufen heraus. Hierzu zählen durchaus auch Trancen und verwandte Techniken.
Daraus abgeleitet habe ich Geomantie definiert als:

„….die Kunst Lebensräume nach den Bedürfnissen der menschlichen Seele im Einklang mit der Ortskraft zu gestalten“

Das Wort „Schamanismus“ ist gleich noch schwieriger zu definieren. Das Wort selbst leitet sich vom tungusischen Wort „saman“ ab, das eben in Sibirien eine Art „Medizinmann“, „Priester“, „Zauberer“ u.ä. bezeichnet und wurde in der Religionswissenschaft genutzt, um eine bestimmte Art des Denkens zu definieren. Der berühmte Religionswissenschaftler Mircea Eliade schreibt dazu in „Geschichte der religiösen Ideen“: „Im Allgemeinen wird der Schamanismus als die älteste, genauer nachweisliche Form religiösen Denkens beim Menschen bezeichnet.“

Nun, diese „älteste Form religiös-spirituellen Denkens“ können wir freilich immer nur interpretieren, weil das Denken keiner wissenschaftlichen Beweisführung zugänglich ist. Wir müssen sie also aus den archäologischen physischen Resten herausinterpetieren. Genau diese Interpretation legt aber eine innige Beziehung Mensch-Erde, bzw. Mensch-Ort/Landschaft nahe. Insofern wäre Geomantie und Schamanismus tatsächlich das Gleiche (vielleicht sogar dasselbe, wenn ich mir diese verbale Spitzfindigkeit erlauben darf).

In ihren Wurzeln reicht die Geomantie zurück bis in die unmittelbare Erfahrung der GROSSEN MUTTER, der Göttin Erde selbst (das ist nun der leichtere Teil). Geomantische Gestaltungen ergaben sich aus der rituellen Setzung von Objekten in Beziehung zu den Himmelsrichtungen, den Elementen und den Sternen. Ätherische Kraftbewegungen wurden – gesteuert durch die Fokussierung des Bewusstseins und unterstützt durch rituelle Gesten und Handlungen – unmittelbar am Ort oder am Menschen vollzogen. In dieser Haltung gab es keine wirkliche Trennung zwischen einzelnen Lehrdisziplinen wie Geomantie, Astronomie, Medizin und Bewusstseinsarbeit. Die Arbeit für und mit den Geistern und Kräften des Landes fanden stets in der konkreten Auseinandersetzung mit dem Ort und dem Menschen statt.

Da die Geomantie, wie oben angedeutet, heute aber durchaus auch technische Instrumentarien wie z.B. elektromagnetische Messgeräte nutzt, ist es im Sinne einer allgemeinen Verständigung ratsam die Begriffe >Geomantie< und >Schamanismus< getrennt zu halten, obwohl sie gerade von ihrer Wurzel her (beinahe) identisch erscheinen. Eine „schamanische Geomantie“ wäre im Grunde genommen eine Redundanz, die aber sinnvoll erscheint um diese Art der Geomantie von z.B. einer radiästhetisch oder psychologisch ausgerichteten Form der Geomantie zu unterscheiden.

 

Weiterführende Seminare und Fortbildungen:

Ausbildung Schamanische Geomantie

Geomantische Studien- und Erlebnisreise Malta

 

Bild © Stefan Brönnle


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