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Sankt Martin und die wilde Jagd

09. Nov. 2014 | Von: Stefan Brönnle | Kategorien: Mythen, Symbole | 0 Kommentare

Sankt Martin historisches Bild

Dieser Tage sieht man sie wieder, die Kinder, die mit Ihren Laternen ausziehen, wenn rund um sie herum die Welt in Dunkel versinkt. "Sankt Martin, Sankt Martin..." singen Sie, oder "Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne".
Was hat Sankt Martin mit den Sternen zu tun? Und warum folgt ihm eine Heerschar von Kindern mit Laternen?

Nun, wie so vieles bezieht sich dieser Brauch ursprünglich nicht auf den christlichen Heiligen. Aber dennoch, schauen wir uns die Heiligengestalt näher an. Die Legende besagt, der römische Soldat Martinus hätte bei Kälte einem Bettler die Hälfte seines Mantels gegeben, indem er diesen mit dem Schwert teilte. Später im Traum hätte sich der Bettler als Christus selbst offenbart. So will es die Legende.

Das Teilen des Mantels ist ein starkes Symbol. Was heute meist auf das "mit einander Teilen" hingedeutet wird, bezieht sich auf das "Zerteilen des Vorhanges oder Schleiers". Der Festtag des Hl.Martin ist der 11.11. - Am gleichen Tag wird die Narrenzeit ausgerufen. Beide "Ereignisse" beruhen darauf, dass sie zusammen mit Festen wie Allerheiligen (Halloween), Allerseelen usw. die Nicht-Zeit symbolisieren. Jetzt wird die Ordnung auf den Kopf gestellt (Narrenzeit, Fasching,...). Weltliche Gesetze gelten nicht mehr. Stattdessen zerreißt der Schleier zwischen den Welten und das Jenseits rückt unserer Realität näher. Am Abend vor Allerheiligen gehen in angelsächsischen Ländern (und inzwischen auch bei uns) die Geister um und wollen "gefüttert werden": Halloween.

Analog zerteilt Martin den Mantel, den trennenden Vorhang. Er reitet voran und die Heerschar der Kinder folgt ihm. Nicht nur in der christlichen Ikonografie wird die Seele oft als Kind dargestellt. Es sind also Seelen, die dem Reiter mit ihrem "Seelenlicht" folgen. Ein Bild der "Wilden Jagd". Odin/Wotan reitet voran und zieht die Seelen der Verstorbenen mit sich. Die Übereinstimmung wird noch größer, wenn man bedenkt, dass mancherorts der heilige Martin mit Raben auf der Schulter dargestellt wird. Im Germanischen waren dies die Raben Hugin und Mugin, die Boten und Späher Odin/Wotans.

So ist das idyllische Lichterfest für Kinder, das nicht ganz zufällig in die astrologische Zeit des Skorpions fällt, eine Respektsbezeugung an die Verstorbenen, die nun ins Jenseits überwechseln, aber auch ein Mysterienspiel, dass die Lebenden vor den Geistern beschützen soll. Oft werden die Kinder (die Geister) nach dem Umzug mit Lebkuchen (Herzkuchen, Symbole der Lebenskraft) und Früchtetee gespeist, der in seiner Farbigkeit das Blut nachahmt. Die Sterne werden besungen, weil die Seelen ins astrale (sternenhafte) Reich hinüberwechseln. "Brenne auf mein Licht, brenne auf mein Licht...." Das Seelenlicht erstrahlt hell bei der Annäherung an das jenseitige Reich der Seele. Schon die Ägypter glaubten, nach dem Tode würde ein Seelenanteil - das BA - zu den Sternen wandern, um dort zu verweilen.

In dieser Zeit Orte aufzusuchen, die dem Jenseitigen nahe sind - wie Ahnenplätze und Seelenwege - kann ein besonderes Erlebnis sein. Verstorbene, nahe stehende Personen können sehr deutlich spürbar werden, ja manchmal sogar visuell sichtbar....

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