Wieviel Seele hat der Mensch?


Aura und ätherischer Rauch„Die Seele ist einzigartig und unteilbar", so das Credo der christlichen Kultur. Doch ein Blick in die Kulturen zeigt ein ganz anderes Bild:

Der indische Ausdruck für das, was wir als „Seele" bezeichnen, ist „Atman". Der Begriff leitet sich ab von „an", was „hauchen", „atmen" bedeutet. "Atman" ist daher der "Atem des Lebens". Der Begriff umfasst schließlich aber auch das Leben, das Selbst, bzw. den Wesenskern des Individuums - eben die Seele.
Diese Doppelbedeutung von Hauch und Atem auf der einen und Lebenskraft oder Lebensenergie auf der anderen Seite finden wir auch in den philosophisch-religiösen Vorstellungen anderer Kulturen wieder wie das chinesische „Qi", das indische „Prana" und andere. Auch Gott hauchte .Adam in der Genesis seinen Odem ein und übertrug ihm damit Lebens- und Geisteskraft.

Der Geist wird traditionell durch das Symbol des Feuers wiedergegeben. Und so gibt auch der Begriff des „Pneuma" - dem aus Feuer und Luft gewordenen Hauch - aus der griechischen Philosophie dieses Phänomen treffend wieder. Im deutschen Sprachraum sind es wohl die Begriffe „Od" (verwandt dem „Odem" Gottes) oder „Äther", die ähnliches beinhalten.

Augenscheinlich ist also die Seele - das Atman - bestehend oder zumindest umgeben von einer lebensspendenden, luftähnlichen Substanz, die sie nährt und schützt. Die Toten im Hades erscheinen Odysseus schwach und nebelhaft, ehe sie nicht vom Blut eines Opfertieres getrunken haben und dadurch scheinbar mit neuer Lebenskraft - neuem Äther mochte man sagen – aufgeladen wurden. Im ägyptischen Totenbuch heißt es: „Isis spricht: Ich bin gekommen, damit ich dein Schutz sei. Ich habe Atemluft an deine Nase gefächelt." Und an anderer Stelle heißt es von den Toten, sie wurden „Luft" essen und von Ihr leben.
Die „Seele" besteht somit u.a. aus Ätherhüllen. Ganz bewusst wurde der Plural gewählt, denn offenbar handelt es sich wie bei einer Zwiebel um unzählige Schichten. Doch was bleibt von der Zwiebel, wenn man alle Schichten abgeschält hat....? Können wir also in diesem Sinne von einer Seele sprechen? Schauen wir noch einmal auf das Seelenbild verschiedener Zeiten und Kulturen.

In einer mittelalterlichen Todesvision des „Barontus" aus dem 7. Jahrhundert verkündet ein Engel: "Ich werde die Seele (animam) mit mir zum göttlichen Tribunal nehmen, doch seinen Geist (spiritum) werde ich in seinem Körper lassen". 
So war man auch in Ägypten sehr darum bemüht, den „Ätherkörper" zu erhalten. Ein Teil der Seele - das „Ka" - blieb im zur Mumie präparierten physischen Körper, während das "Ba" als Vogel aufstieg — ebenso wie sich die Seele des Barontus in „Anima" und „Spiritus" teilte!
Der Seelenanteil des „Ba" reiste zu den Sternen. Seine Hieroglyphe war dementsprechend auch ein Stern. Interessanterweise gibt es im Volksglauben Europas die Ansicht, fallende Sternschnuppen würden die Geburt eines Kindes ankündigen. So spricht auch Paracelsus im Liber de Lunaticis von einem „siderischen Leib", einem „Gestirnsleib" – der menschlichen Seele: „...so sind im Menschen zwei Leiber, einer aus den Elementen, der andere aus dem Gestirn; darum müssen diese beiden sonderlich wohl erkannt werden; durch den Tod kommt der elementarische Leib samt seinem Geist in die Grube, die ätherischen werden im Firmament verzehrt, und der Geist des Bildnisses Gottes geht zu dem, dessen das Bildnis ist" .
Ganz in diesem Sinne spricht die mittelalterliche Alchemie vom „Gestirn im Menschen", dem „corpus glorificationis", dem Verklärungsleib. Der Alchimist Zosimos von Panopolis aus dem 3. Jahrhundert beschreibt auf ähnliche Weise, dass der fleischliche Mensch den geistigen in sich trage, den man „Licht" nennt. Dieses höhere – überpersonale (!) – Etwas nennt C.G.Jung den „daimonion".
Auch die Afrikaner kennen diese Vorstellung mehrerer Seelen. Sie nennen sie: Hauchseele, Schattenseele und Geistseele. In China werden die beiden Anteile „Körperseele" „Po" (Yin) und „Hauch"- bzw. „Geistseele" „Hun" (Yang) genannt. Innerhalb beider Schriftzeichen ist das Zeichen für „Dämon/Geist" erkennbar.

Solche Vorstellungen verschiedenster Seelen oder Seelananteile gibt es weltweit in den meisten nichtchristlichen Kulturen. Die Seele scheint eher floral und kann sich wie ein Ableger teilen oder wie bei der Obstbaumveredelung mit „fremden" Seelenanteilen Vereinigungen eingehen. Deshalb ist es in schamanischen Traditionen auch möglich Seelenanteile abzuspalten, zu verlieren und sogar zu stehlen. Deshalb können Geisthelfer, Kraftttiere und Pflanzengeister eigenständige Wesen und doch Teil Deiner Seele sein.

 

Wieviele Tropfen hat ein Bach? Ein Fluß? Ein Meer? Wieviel Seele hat der Mensch?

 

 

Schamanische Reinigungs- und Seelenarbeit

Systemische Seelenarbeit

Buch: Geistige Wesen

Bild © Stefan Brönnle

 

Text: Geänderter Buchauszug aus Stefan Brönnle: Geistige Wesen

 


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