Abbilder der Kosmos: Stupa


Stupa, daneben Grafik kleiner Kreis über Raute, über Dreieck, über Kreis, über QuadratDer buddhistische Stupa, ein Abbild des mythischen Berges Meru und damit der Mitte und Weltenachse, liegt idealtypisch im Schnittpunkt zweier Wegachsen, die zwischen den Kardinalrichtungen verlaufen. Eine Stange, Symbol der Weltensäule, durchdringt an dieser Stelle bei einigen Stupas tatsächlich das gesamte Bauwerk und tritt am Scheitelpunkt wieder heraus. Sie ist hier von Scheiben und Ringen umgeben, die die verschiedenen Tugenden und Fähigkeiten des Buddhismus symbolisieren.

Stupas sind geradezu ein architektonisches Sinnbild des Nirwanas, des Zustandes jenseits des Ichs und ein Abbild buddhistischer Lehren. So ist das “Lotos-Sutra” (Saddharma pundarika sutra, 255 n.Chr.) Im “Schatz-Pagoden-Mandala” von Osaka in Form einer Pagode, abgefasst. D.h. die einzelnen Schriftzeichen des Sutras bilden insgesamt eine Pagode, die fernöstliche Variante der indischen Stupa, nach.

Der indische Stupa symbolisiert in seinem vertikalen Aufbau die vier Elemente: Die Basis bildet ein Kubus für das Element Erde, das im menschlichen Körper wiederum vom Becken repräsentiert wird. Darüber baut sich eine kuppelartige runde Form auf – Symbol des Elementes Wasser und des “Raumes der Gefühle”, dem Bauchraum. Ihm folgt eine dreieckige Struktur, die für das Feuer steht und beim Menschen durch den Solar Plexus und Herzbereich eingenommen wird. Darüber wiederum steht eine rautenartige Form, die für das Luftelement steht – Im Menschen das Denken im Kopfraum. Den Abschluss bildet des fünfte Element, die Quinta Essentia, der Äther.

So zeigt der Stupa den Weg des Gläubigen in der Auflösung der Stofflichkeit. Die Elemente werden nach oben hin immer leichter, weniger stofflich: Erde > Wasser > Feuer > Luft > Äther. Das Ich löst sich auf und das Bewusstsein verbindet sich gleichsam mit allem, so wie der Äther alles durchdringt.



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